Fernstudium Master of Laws (LL.M.) Wirtschaftsrecht an der Euro-FH: Fazit und Häufige Fragen

Fortbildung

Wie schon bei meinem Studiengang der University of Liverpool möchte ich an dieser Stelle noch einmal einen summarischen Überblick über meine Erfahrung an der Euro-FH geben, die die letzten zweieinhalb Jahre zusammenfasst. Natürlich ist vieles davon in den jeweiligen Blogbeiträgen zur Zeit erklärt – und zu denen werde ich auch verknüpfen. Aber erfahrungsgemäß brauchen die beim Lesen mehr Kontext und letztlich landen die Leute oft auf einer Übersichtsseite. Also willkommen!

Der Einstieg

Wesentlich fürs Verständnis dafür ist zumindest die Kurzfassung meiner bisherigen akademischen Laufbahn: Abgebrochenes Magister-Studium an der Humboldt-Universität, B.A. Honours Arts & Humanities an der Open University, M.Sc. Software Engineering University of Liverpool (siehe mein Fazit-Post dazu). Berufsalltag ist genau das: Programmieren.

Wichtig war für mich für die auch die Auswahl von Kursen, die wenig… Quatsch dabei haben. Freunde der Südsee, ich brauche keine 6 ECTS für Selbstorganisation oder Innovationsmanagement.

Insgesamt hatte ich für den Vergleich folgende Hochschulen in die engere Erwägung gezogen:

  • die Fernuniversität Hagen,
  • die HFH (Wirtschaftsrecht),
  • die PFH Wirtschaftsrecht,
  • die Euro-FH Wirtschaftsrecht,
  • die FOM Wirtschaftsrecht,
  • Diploma,
  • die Hochschule Fresenius
  • und die Hochschule Koblenz

Richtig, das waren diesmal nur deutsche Institutionen, weil es im Recht wenig Sinn ergab, einen UK- oder US-Abschluss zu holen. Ein Großteil der in den deutschen Hochschulen angebotenen Studiengänge für Wirtschaftsrecht ist entweder konsekutiv – baut also auf einem Bachelor im gleichen Gebiet auf – oder nicht-konsekutiv, verlangt dann aber andere einschlägige Berufserfahrung im BWL-Großraum. Hatte ich nicht.

Also ging es los: Ich nahm mit zahlreichen Hochschulen – HFH, Wilhelm Büchner, FOM… – Kontakt auf, um zu schauen, welche Möglichkeiten es gäbe, diese mögliche Lücke zu überbrücken. Immerhin war es mir vor gut zehn Jahren gelungen, einen Master Software Engineering ohne die geringsten verwandten akademischen Vorkenntnisse zu starten. Allerdings: Nicht in Deutschland. Und so es aus auch lange hier aus. Von „Fangen Sie doch mit dem Bachelor an“ bis hin zu „Vielleicht kommen andere Studiengänge für Sie in Frage“ reichten die Antworten diesmal wieder. Danke für nichts.

Schließlich landete ich bei der Euro-FH, die mir nach Motivationsschreiben und einer Handvoll E-Mails einen Brückenkurs anboten. Dazu zwei Dinge.

Zum Einen möchte ich trotz der nachfolgenden Kritik anführen, dass das so ziemlich das einzige ordentliche ernsthafte Entgegenkommen war, das ich in meiner ganzen Kommunikation erlebt hatte. Klarer Punktsieg. Und es ist mir völlig unklar, wieso insbesondere die nicht-konsekutiven Konkurrenten das nicht auch könnten.

Jetzt kommt das große Aber: Nicht nur hat der Kurs die Kosten natürlich ordentlich in die Höhe getrieben, we war auch inhaltlich… unnütz bis kontraproduktiv. Die angebotenen Kurse entsprachen, soweit ich das sehe, die ersten aus dem LL.B. Wirtschaftsrecht (insgesamt 30 ECTS, also ein Semester) und hatten exakt null BWL-/Wirtschaftsbezug. Das ergibt inhaltlich keinen Sinn und führte dazu, dass ich mehrere Inhalte doppelt und dreifach im Studium hatte. Meine anfängliche Einstellung, dies als Abkürzung zu sehen, schlug eher schnell in etwas Frustration um, da ich etwa einen Buchhaltungskurs wirklich hätte gebrauchen können. (Ganz am Rande: Auch die mitgelieferten Gesetzestexte haben Lücken und Dubletten – keinmal BGB, zweimal HGB, was die fehlende Abstimmung unterstreicht.)

Für andere Menschen, die wie ich in einer „Endlich!“-Situation sind, gilt also: Bitte die Inhalte und Sinnhaftigkeit eines angebotenen individuellen Brückenkurses überprüfen!

Verlauf und Ablauf

Nach dem erfolgreichen Brückenkurs ging es also los mit dem eigentlichen Master. ich habe mich für Papier-Zustellung der Unterlagen entschieden, dementsprechend landeten ordentlich schwere Pakete bei mir. Es gibt eine empfohlene Reihenfolge der Kurse, die entsprechend inhaltlich aufeinander aufbauen (was mir beim Brückenkurs auch sehr geholfen hätte).

Bücher und Studienunterlagen
Studienmaterialien und Gesetzestexte.

Ein Einleitungsbüchlein … leitet die Module ein, stellt grob die inhaltlichen Züge vor und die zu erbringende Prüfungsleistung (Klausuren oder Haus-/Projektarbeit). Danach erwarten je nach Modul 3-5 Hefte mit 80 bis 120 Seiten Inhalten oder – sehr selten – ein E-Book als Lektüre.

Wie im Verlauf mehrfach beschrieben, halte ich diese On-Demand-Printhefte für bestenfalls zweckmäßig. Wenn sie nicht gerade veraltet sind, merkt man ihnen die rumpelnden mehrfach überarbeiteten Stellen an, und selbst im Idealfall wirken sie durch die Aufmachung und die offensichtlich öfters nicht professionellen Autor:innen rechts hemdsärmelig. Das Word-Layout hilft nicht, vielleicht ist der Eindruck bei den rein digitalen Varianten weniger schlimm.

Richtige inhaltliche Fehler sind selten aus Sicht des:der nicht durch die Jura-Staatsexamen gegangenen Leser:in, aber immer noch zu häufig. Zunächst begann ich, alle Fehler auch wirklich zu melden, aber irgendwann wurde mir das zu viel.

Zum Thema Aktualität des Materials: Wir reden nicht davon, dass gerade einmal durch den Bundestag verabschiedete Beschlüsse Einfluss halten sollten, sondern von Änderungen wie dem MoPeG, die a) seit langem bekannt und b) für die Zielgruppe wirklich wichtig sind. Von „jüngeren“ Entwicklungen wie die geänderten Produktangaben mal ganz zu schweigen.

Natürlich lässt sich immer argumentieren, dass es ja um die Prinzipien geht, dass sich natürlich Technik/Wissenschaft/Recht/Gesellschaft immer ändern und dementsprechend kein Ewigkeitsanspruch gilt. Fair. Aktuelle Gesetzeslage raussuchen, Subsumption anwenden und so. Aber gerade die privaten Hochschulen argumentieren ja auch mit dem starken Praxisbezug ihrer Studiengänge. Der wird aber zur Makulatur, wenn er praktisch über die Sachlage vor einem halben Jahrzehnt aufklärt! Dies trifft noch einmal besonders auf die Wahlpflichtmodule zu, die ja eine individuelle, intellektuell oder arbeitsmarktbezogene Orientierung ermöglichen.

Ein offensichtlicher Ratschlag wäre jetzt hier: Warum nicht einfach mehr auf anderer Leute Arbeit oder Standardwerke setzen? Das hat etwa die University of Liverpool getan und jeweils einen Wälzer pro Kurs verlangt, mit eigenem Aufwand lediglich für zwischenzeitliche Aufgaben in der Woche. Und dazu würde ich der Euro-FH auch raten – gerade bei Basis-Themen wie Zivilrecht, BGB Allgemeiner Teil etc. würde das insgesamt einen besseren Eindruck machen. Was auch immer an Branding-Gedanken hinter den eigens kreierten Materialien steckt: Nein.

Aber auch hier gibt es leider einen Einschlag: Denn bei einigen Modulen standen externe Werke als E-Book/Buch zur Verfügung, doch wieder in teilweise veralteter Auflage. Was auch immer ich an Restverständnis für den organisatorischen Aufwand von Studienheft-Revisionen hatte, hier gibt es keine Begründung mehr. Kinder, ihr bekommt einen Batzen Geld, holt gefälligst aktuelle Lizenzen.

Im Text und am Kapitelende der Hefte gibt es dann Aufgaben zur Selbstüberprüfung, am Heft-Ende jeweils Einsende-Aufgaben. Diese sind für die schließlich gegebene Modulnote irrelevant, aber streng angeraten, um eben grundsätzliches Verständnisfeedback zu holen. Der Aufwand ist meist ein guter Nachmittag. Hier habe ich einiges an Lob zu verteilen: Ein Großteil der Aufgaben kam zügig kontrolliert zurück und mit verwertbarem Feedback. Nur in einem Modul gab es quasi nur die Musterlösung und approximierte Bewertung.

Insgesamt sollte ein Heft ungefähr eine Woche beschäftigen, um im Zeitplan zu bleiben. Das ist sportlich, besonders wann man wirklich ganz artig alle Aufgaben zwischendrin aufschreibt und erst danach mit dem Lösungsmittel abgleicht, statt kurz die Gedankenskizze abzugleichen, aber machbar. Ich würde es definitiv unter dem Aufwand für die University of Liverpool einschätzen und aufgrund der frei einteilbaren und optionalen Zwischendrin-„Prüfungen“ auch eher unter dem Aufwand der Open University.

Inhaltlich beginnt das Studium mit rechtswissenschaftlichen und methodischen Grundlagen – Zivilrecht, Subsumption – und schwenkt dann auf verbindende (Insolvenzrecht, Compliance) oder rein wirtschaftliche (Unternehmensbewertung) Themen um. Zudem ließ sich ein Schwerpunktmodul frei wählen.

Seminare

In zwei Modulen – dem Quasi-Einführungskurs Zivilrecht und in Kommunikation – ist ein Seminar Pflicht. Organisatorisch schwierig: Die entsprechenden Termine gab es selten, einmal wurde ich auch kurz vorher ausgeladen. Sowas ist ärgerlich und widerstrebt natürlich dem Flexibilitätsgedanken. Durch derartigen Firlefanz habe ich letztlich sicherlich an die zwei Monate Studienzeit verloren. Und effektiv würde ich sagen, dass beide Seminare keine inhaltlichen Voraussetzungen hatten.

Formal soll es auch Präsenztermine geben, in meinem Verlauf jedoch bot sich nur die Möglichkeit, je zwei Tage auf Zoom-Kacheln zu starren. Brauche ich jetzt nicht wieder – auch wenn die Dozent:in sich große Mühe gab, uns mitzunehmen, war die Beteiligung teilweise am Rande der Messbarkeit. Eine wirkliche Community hat sich für mich aus den Terminen auch nicht ergeben, aber das mag auch an mir liegen.

Immerhin bleibt die verhasste benotete Gruppenarbeit erspart!

Prüfungen und Bewertungen

Schließlich wird jedes Modul mit einer Prüfungsleistung abgeschlossen. Das ist manchmal eine zweistündige Klausur, manchmal eine Haus- bzw. Projektarbeit. Die Note fließt dann ECTS-anteilig in die Gesamtbewertung ein.

Für genau eines meiner Module gab es dabei Karteikarten-Vorlagen von der Euro-FH für ihre Flashcards-App. Die als primäre Lernhilfe zu benutzen war ein Fehler – letztlich fehlte in den 120 Fragen ein leider prüfungsrelevanter Block, der mir sicherlich eine halbe Note kostete.

Bessere, wenn auch für meine Klausurphase nicht mehr relevante Erfahrungen habe ich mit KILEA gemacht, dem „KI“-Tool, das auf Basis der jeweiligen Studienhefte und allgemeiner Trainingsdaten ein guter Sparringspartner ist. Aber hier gilt wie immer: Stochastische Papageien können Fehler machen, die reichen von gelegentlichen fremdsprachlichen Antworten zu komplettem Verschlucken.

Klausuren lassen sich online schreiben – inzwischen auch spontan – oder an festgelegten Terminen in Präsenz. Ich entschied mich für letzteres, weil a) die halbe Stunde U-Bahn-Fahrt für mich nicht so wild war und ich b) viele schreckliche Geschichten von den „Proctoring“-Tools gehört hatte, die zum Verhindern von Betrugsversuchen eingesetzt werden.

Aushang für einen Klausurtermin
Regelmäßig tingelte ich für die Klausuren zum Kurfürstendamm.

In den zwei Stunden waren dann im Regelfall drei bis fünf Aufgaben zu bearbeiten, Punkteverteilung und entsprechendes Zeitkonto vorher angegeben. Erlaubte Hilfsmittel – Gesetzestexte, Taschenrechner – wurden kurz gecheckt. Insgesamt lief dieser Teil sehr erwartbar ab. Bei den Klausuren selbst hatte ich mal etwas mehr, mal etwas weniger Glück mit den Themen-losen. Was ich mir für ein „richtiges“ Rechtswissenschaftsstudium gewünscht hätte, wären reine Fall-Analysen gewesen, doch diese wurden nur skizziert in den Klausuren; ein Großteil der Aufgaben beschrieb allgemeine Vorgänge, Voraussetzungen oder Definitionen.

Bewertungen der Klausuren kamen meistens innerhalb von zwei Wochen, in Form einer Erklärung zu jeder vorgeschlagenen Lösung. Das reichte von detaillierten „Die Unterscheidung zwischen Besitz und Eigentum wird richtig vorgenommen“ bis hin zu wenig sinnvollen „Antwort war etwas synthetisch.“, aber schien mir nie vollkommen abseits des Bauchgefühls.

Für Haus- respektive Projektarbeiten sind sechs Wochen Bearbeitungszeit vorgegeben, einen Korridor zur Wortzahl und so Zitiergepflogenheiten gibt es ebenfalls. Über das Campus-System lassen sich zudem etliche Online-Bibliotheken erreichen, darunter das für Rechtswissenschaften wichtige Beck.Online – aber in einer recht zurechtgestutzten Fassung, die öfters doch noch andere Leih- und Beschaffungsmethoden erfordert. Achja, und einen Statista- und Office-Microsoft-365-Zugang gibt es auch. Grundsätzlich spielt sich bei den Aufgabenstellungen alles im erwartbaren Bereich ab; die Aufgaben selbst sind zwar etwas langweilig und statisch, aber dafür auch ohne große Überraschungen im negativen Sinne.

Im Gegensatz zu den Bewertungen. Das wird jetzt niemanden überraschen, der:die schon einen meiner Euro-FH-Beiträge gelesen hat, aber im Hauptstudium fand viele der Bewertungen wirklich schwierig. Ich möchte nicht sagen, dass ich immer eine 1,3 verdient hätte; ich weiß, das manche Arbeit unter ordentlich Zeitdruck entstanden ist und und und. Aber es gab eben auch jede Menge „Huh?“-Momente.

  • Eine Arbeit zu einem bestimmten Security-Vorgang in einem Unternehmen, in dem ich wirklich solide Best Practices aus meinen ja doch knapp 20 Jahren Berufserfahrung zusammenbrachte, mit vielen Links – sowohl auf Fachpublikationen als auch eben zu Verbänden und Organisationen, die aufgrund einer wirklich minimalen Kritik („Nachbereitung im Unternehmen nicht, oh doch, ich meine zu oberflächlich behandelt“) eine 2,5?
  • Eine klassische Zivilrechtsarbeit, die ich zweimal eingereicht hatte, und bei der die erste Aufgabe trotz offensichtlicher Nachbearbeitung auf Basis des ersten Feedbacks haargenau die gleiche Note (aus 60 Punkten) bekam?
  • Die von mir im Widerspruch leicht verbesserte Unternehmensbewertungshausarbeit, bei der meines Erachtens Briefing und angeblicher Erwartungshorizont völlig auseinanderklafften.
  • Die Masterarbeit (kommen wir noch zu).

Ich weiß nicht, ob „Lösungsskizzen an die Dozent:innen schicken“ wirklich hilft, aber wenn jemand das liest und probieren möchte, warum nicht. Im Nachhinein hätte ich neben solcher Korrespondenz auch mehr Widerspruchsverfahren angestrengt.

Wie gesagt: Ich kenne aus allen Studien das Gefühl einer schechten Bewertung. Aber zu oft empfand ich die bei der Euro-FH nicht streng oder jura-ist-halt-so, sondern arbiträr. Und: Stressbedingte Kurzzeit-Verlängerungen einer Abgabe, wie ich sie an der Open University ein oder zweimal wahrnehmen konnte, gibt es nicht. Wenn das Leben dazwischen kommt, hilft nur ein Attest oder ein zweiter kompletter Neuanlauf. Wieder Ursache für mögliche Verzögerungen.

Organisation und Kommunikation

Sämtliche Studiengänge, an denen ich bisher teilgenommen hatte, erfordern ein ordentliches Maß an Selbstdisziplin und kommen ohne tatsächliche fortlaufende fachliche Beratung aus. Allerdings fiel das anderswo nicht so auf, weil a) die rigide Struktur an der University of Liverpool wenig Raum für Interpretation gegeben hat und b) an der Open University zumindest bei größeren Kursen von der jeweiligen Lehrkraft eine Einleitung kam.

In der flexiblen Struktur in Hamburg weiß natürlich niemand, wann jetzt wirklich mit einem Modul angefangen wird, dementsprechend muss sämtliche Orga-Einleitung von den Heftchen erfolgen. Ja, „mal eben“ einen Anruf pro Modul aufsetzen würde sicherlich nicht skalieren, aber irgendetwas könnte sich die Hochschule sicherlich einfallen lassen, um das Einsam-im-Baumarkt-Gefühl abzumildern. Immerhin: Ein Großteil der aktiven, von mir initiierten Kontaktaufnahme mit Dozent:innen war freundlich und verbindlich.

Abseits inhaltlicher Fragen lief der Schriftverkehr mit der Betreuung aber nahezu durchgehend flüssig. Wann immer ich eine Frage zu Gebühren, Ausweisen, Fristen… hatte, konnte sie mir im Regelfall innerhalb eines Tages, oft sogar innerhalb von Stunden beantwortet werden. Nur beim Seminar-Fail half es nicht.

Kosten

Jenseits von Eden Hagen waren die Kosten für das Studium in meiner gesamten Vergleichstabelle nahe an oder in der Fünfstelligkeit. Zusammen mit dem Brückenkurs komme ich an der Euro-FH auf rd. 15.000 Euro Kosten. Das ist, insbesondere inflationsbereinigt, doch weniger als etwa für den Software-Engineering-Master in Liverpool und auch deutlich weniger, als aktuell OpenU-Master zu Buche schlagen würden.

Aber trotzdem eine ganze Menge Holz. Als Werbungskosten steuerlich absetzbar. Mit Studienausweis manchmal für günstigeren Eintritt ins Museum nutzbar. Aber trotzdem nicht wenig.

Und es stellt sich unweigerlich die Frage, ob der finanzielle Aufwand für das gebotene genügt. Ich würde das relativ deutlich verneinen. Die organisatorische Betreuung fällt zwar mit Ausnahme des etwas ruppigen Prüfungsamtes verbindlich und zügig aus, Nähe zu den Lehrkräften jedoch hat sich nie ergeben. Und zur Qualität der Studienhefte habe ich ja schon öfters von meiner Seifenkiste gezetert. Was ich aber auch unzweifelhaft sagen möchte: An keiner Stelle habe ich das Gefühl, hier wird ein „pay2win“ betrieben, also irgendwie insinuiert, dass jede:r am Ende schon das Diplom bekommt, solange nur die Überweisungen durchgehen.

Gerade in Bezug auf beim Erscheinen dieses Artikels grassierende Diskussion um die IU mit hölzernen Versprechungen und wenig souveränem unternehmerischen Agieren scheint mir diese Unterscheidung wichtig. Ich übe hier durchaus deutliche Kritik und sehe auch wirklich erhebliche Verbesserungsmöglichkeiten bei der Euro-FH. Nirgendwo jedoch hatte ich das Gefühl, hier irgendwie hinters Licht geführt worden zu sein. Der Preis und was dafür geliefert wird, waren von Anfang an klar. Hier werden keine Menschen in Asien mit vermeintlichen Top-Job-Aussichten angelockt, um als Kurierfahrer ihren Unterhalt bestreiten zu müssen. Und so staubig manche Inhalte sind – grundsätzlich ergibt der Aufbau des Studiums Sinn und wirkt nicht wie ein schnell zusammengezimmerter Buzzword-Master. Die grundsätzlichen rechtlichen Vorgehensweisen werden solide erklärt und abgeprüft.

Die Masterarbeit

Am Ende aller Module waren noch 14 ECTS über ein Werk zu erledigen: Die Masterarbeit. Hier war ich vielleicht aus Liverpool zu verwöhnt, aber der tatsächliche Ablauf entwickelte sich schließlich zu einem schlechtesten aller Welten – Prüfungsamtbürokratie wie bei Humboldts Unter den Linden verknüpft mit unpersönlichem, schwierig zu erreichenden und eher lustlosem Lehrstuhl.

Nochmal im Schnelldurchlauf (ausführlicher hier): Es gibt vorgeschlagene Pools an Themen und dafür geeigneten Dozent:innen. Eine Vorab-Kontaktaufnahme ist ausdrücklich untersagt. Es ist also zuerst ein Exposé anzulegen inkl. möglichem Literaturverzeichnis, damit – und nur damit – wird dann via Prüfungsamt Kontakt zu Erst- und Zweitkorrektor:innen aufgenommen. Diese segnen, möglicherweise mit Änderungen, das Thema ab, los geht’s. In meinem Fall ergab sich hier eine ungünstige Konstellation, weil der zunächst angefragte Erstkorrektor schlichtweg nicht antwortete, der danach angefragte Professor glaubt, er sei Zweitkorrektor… hach. Das hätte nicht sein müssen.

Im Gegensatz zu Liverpool, wo die Betreuerin und ich in einem privaten Forum die ganze Zeit über wild hin und her schrieben, Zwischenstände angefragt wurden und und und, bleiben wir hier auf uns gestellt. Hier würde ich mir, ohne von meiner Verantwortung als funktionierender(?) Erwachsener abzulenken, etwas mehr Struktur seitens der Hochschule wünschen.

Die Bewertung letztlich läuft schnurstracks nach einem Schema: Beide Korrigierenden vergeben Teilnoten auf Inhalt, wissenschaftliches Arbeit, Form, Mitteln diese und dieses Ergebnis wird dann wieder gemittelt. Dass auch wirklich größere Diskrepanzen hier einfach unter den Teppich gekehrt werden… scheint mir bizarr. Eine 2,0 auf Form deutet auf geringe Fehler hin, eine 3,0 auf grobe Schnitzer – nur eins davon kann stimmen.

Die Masterurkunde
Früchte von Arbeit und/oder Zorn erhalten.

In den Bewertungstexten gab es zudem für mich eine merkwürdige Lücken. Ich habe ein Thema zum Unlauteren Wettbewerb bearbeitet, dabei mit unter neue und alte Fassung der Gesetzeslage herangezogen. War das gut? Schlecht? Verwirrend? Inkonsistent? Meine zentrale These lautete zudem, dass die Rechtsvertretung eines großen Konzerns elementare inhaltliche und strategische Fehler begangen hatte, aber eigentlich Recht hatte. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass das so stimmte, aber… eine explizite Erwähnung hätte ich mir schon gewünscht. Dass der Sprungteufel-Erstkorrektor seine Bewertung nach Verstreichen übers Wochenende nachgeschoben hatte, half nicht.

Dementsprechend ging das Ganze für mich in einer eher unbefriedigenden Dramaturgie zu Ende. Master-Zeugnis ist da und abgeheftet, aber wirklich freuen? Nein.

Fazit

Zu Beginn des eigentlichen Master-Studiums verglich ich den aktuellen Groove mit North Carolina Badlands, der temporeichen und motivierenden Einstiegsmission zu Command & Conquer 3 Tiberium Wars. Eine Klausur in Arbeitsrecht mit 98 von 100 Punkten fast aus der Hüfte geschrieben, die LL.M.-Welt liegt vor den Füßen! Von dieser Motivation war am Ende nicht mehr viel übrig.

Falls jemand gerade an extrensische und intrinsische Motivationsfaktoren dachte: Richtig, die spielen natürlich beide eine Rolle. Oder, um aus dem Buch „How to Fernstudium“ von Markus Jung (mit dem ich hier gesprochen habe) und Tim Reichel zu zitieren:

„Warum [scheitern Menschen an einer guten Integration ihrer Studier-Einheiten in den Alltag]? Nicht, weil sie zu faul sind oder zu wenig Zeit freischaufeln können… die wirkliche Ursache liegt tiefer vergraben – und zwar in ihnen selbst. Es ist ihr Warum. Ihre Ziele sind ihnen klar. Der Grund, warum sie sich für ein Fernstudium entschieden haben, ist in ihrem Alltag nicht präsent genug.“

Meine ursprüngliche Motivation für das Studium war, mich aktiv in betrieblicher Mitbestimmung zu betätigen und dabei dem jovialen „Hat einer von uns das studiert?“ der Geschäftsführung auch mal etwas entgegnen zu können. Also auch die betriebliche Mitbestimmung unterstützen und unterfüttern können. Das entfiel aus komplizierten Gründen, und somit verblieb mir als Motivationsgrundlage prinzipielles Interesse, der Wunsch nach einem Abschluss und eben alles an externen Zuckerli von der Hochschule.

Genau in diese Phase kam die oben genannte Zivilrechtsaufgabe und realistisch ging es ab da eigentlich nur noch bergab. Hätte die Euro-FH etwa mit besserer fachlicher Betreuung oder nachvollziehbaren Noten mehr unterstützen können? Das glaube ich schon. Selten hatte ich das Gefühl, dass jemand meine Mühen wirklich schätzt. Auch in meinen anderen Studien sind einige kreative Freistöße weit übers Tor gegangen, aber die Quote anerkennenden Kopfnickens war deutlich höher. Das erscheint mir deswegen doppelt absurd, weil eine gute Beziehung zu den Kund:innen ja doch etwas ist, was ich als privates Unternehmen fördern möchte. Kein Recht auf eine gute Note, aber auf gute Betreuung? So sollte es sein.

Somit bleibt als Resümee: Leider war das Studium an der Euro-FH für mich doch das schwächste aller Hochschulerlebnisse. Nun ist es natürlich richtig: Wann immer Menschen Erlebnisse mit Dingen verglichen, die zehn, fünfzehn oder knapp zwanzig Jahre zurückliegen, spielt unser Gehirn Tricks. Wie sehr beurteilt die zwackende Schulter und die schlechter zu erreichenden Freunde im Jahr 2025 unterbewusst die Bewertung? Ich hoffe trotzdem, dass meine Einschätzung nachvollziehbar ist. Und auch wenn sich dieser Beitrag natürlich nur auf meine Beziehungen mit der Euro-FH beziehen kann, ist mein Eindruck vom Querlesen anderer Erfahrungsberichte, dass viele angesprochenen Faktoren auch bei den übrigen Hochschulen auftreten können. (Natürlich nirgendwo so wie bei der skandalgeplagten IU.)

Falls Menschen mit einem Studium an der Euro-FH oder in vergleichbarer Manier liebäugeln, würde ich deutlich hinterfragen: Reicht meine Motivation wirklich aus, auch wenn sich Dinge länger ziehen – statt einem guten Jahr letztlich eher zweieinhalb? Wie sehr nervt mich mäßig interessantes Studienmaterial? Wie sehr bin ich selbst willens, laufend mit den Dozent:innen vorab zu kommunizieren und auch patzige Antworten zu verkraften. Wenn ja, kann das Studium dort durchaus Sinn ergeben. Für mich war es in vielerlei Hinsicht viel Lehrgeld.

Immerhin: Ich bin jetzt Jurist.

PS: Drei Monate später habe ich nun eine E-Mail bekommen, ob ich nicht vielleicht Mentor werden möchte. Jetzt, wo ich ja „die ersten Module Deines Fernstudiums erfolgreich abgeschlossen“ habe. Nungut.

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