Der LL.M. Wirtschaftsrecht: Schlussakkord.

Fortbildung

Was als kurze, höchstens anderthalb Jahre dauernde Zwischenzeit-Aufnahme beginnen sollte, hat sich letztlich doch ganz schön gezogen. Gut, dass es so etwas im echten Leben nicht gibt.

Bei der ursprünglich vorgesehenen Abgabe meiner Master-Arbeit kam es sogar zum ersten Mal überhaupt in meinen ganzen Studien vor, was scheinbar anderen Menschen1 ständig passiert: Ein ärztliches Attest mit entsprechend deutlich verlängerter Abgabefrist. Doch schließlich war es soweit: Am 14. Januar wuppte ich eine Word-Datei und ein PDF in eine dafür vorgesehenes Eingabefeld und… wartete auf das Resultat.

Sechs Wochen sollte die Korrektur dauern, im Verlauf des Tages 42 also frug ich freundlich nach. Man warte noch auf den Erstkorrektor2. Der schob übers Wochenende seine Bewertung nach und… nunja.

Also. Ich habe bestanden, wenn auch nicht im Notenbereich, den ich mir gewünscht hätte. Und wie schon ausgeführt, tue ich mich mit den Bewertungen oft etwas schwer, hier besonders.

Ich hatte schon gescherzt, dass der Erstkorrektor, immerhin Professor an der Euro-FH, jetzt schnell übers Wochenende was hinschreiben wird, und… genau so ist es auch. Dreimal exakt die gleiche Teilnote, wiederholte Satzbausteine, einmal ein falsches Pronomen… das riecht nach Copy-Paste, nach „Na gut, hier haben Sie Ihre Bewertung, jetzt lassen Sie mich weiter Love is Blind schauen forschen“.

Nein, natürlich habe ich keinen Anspruch auf eine gute Bewertung, aber auf eine, die nicht nach lustlosem Hinwerfen riecht, schon. Und auch die bessere und ausführlichere der beiden Bewertungen hält sich knapper als selbst manche Essay-Korrekturen an der Open University.

Bewertungsverfahren: Durchschnitte bilden

Zur Erklärung: Die Thesis wird in je drei Aspekten – Inhalt, wissenschaftliche Arbeit, Formalia mit einer Teilnote versehen, die drei dann gemittelt. Die Ergebniswerte der beiden Korrektor:innen werden dann ebenfalls gemittelt, eine Absprache/Drittkorrektor ist regelmäßig nicht vorgesehen. Rundungen in diesem Teil fallen zugunsten der:des Student:in aus.

Fun Fact: Mit nur 0,1 in einer Teilnote der Zweitkorrektorin besser hätte sich mein ganzes Ergebnis entsprechend verschoben. Aber manchmal hat man kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu.

Dass es so gar keine Auflösung von Widersprüchen gibt: Hm. Insbesondere bei den Formalia sollte eine Abweichung um eine ganze Note doch nicht so einfach möglich sein? Richtig, hier spricht meine Erfahrung aus dem Widerspruch – auch hier würde ich mir gute Chancen ausrechnen, da der einzige konkrete Vorwurf in fehlenden Überschriftsnummerierungen besteht (bei der besseren Bewertung, die schlechtere wirft einfach nur mit Adjektiven). Aber: Ich habe auch nachgerechnet und jede realistische Nachbesserung würde die Endnote meines Masters nicht ändern. Eine Idee für die Euro-FH wäre sicherlich, dass etwa Gesamtnotendiskrepanzen ab 0,5 oder Einzelnotenabweichungen ab 1,0 eine Drittmeinung/Moderation erfordern.

Also halten wir’s wie ein Fußball-Team nach einer Arbeitsniederlage auswärts: Einmal in die Kurve zu den mitfahrenden Fans trotten und Danke sagen, dann ab in die Kabine und in den Kalender schauen.

Die weiteren Schritte

Was genau ist das nächste Match? Noch völlig unklar. Ich habe diverse Ideen von Nichtstun über eine Promotion bis zu einzelnen Kursen (Römisches Recht? Altgriechisch? Sound-Produktion für Games?). Meine gesammelten Erfahrungen zur Euro-FH werde ich in einem separaten Beitrag später posten.

Soviel sei verraten: Über den Glückwunsch aus dem Prüfungsamt konnte ich mich kaum freuen.

  1. 2004 überraschte mich beim Erststudium wirklich, wie oft eigentlich ganz muntere Zwanzigjährige immer um die Abgabezeit herum alle nur denkbaren Krankheitsbilder erlitten zertifizieren konnten. ↩︎
  2. Möglicherweise war es schon eine leicht rötliche Flagge, dass der ursprüngliche Erstkorrektor schlichtweg nicht reagiert hatte auf die Anfrage, der neue Mensch dann einsprung, aber zunächst dachte, er sei Zweitkorrektor… ↩︎

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