Landtagswahlen in Bayern (3): Umfragen damals und heute

Politik

Seit über neun Jahren blogge ich jetzt über Wahlen und die Genauigkeit der Umfragen dabei. Und wenige Hypothesen halten einer genauen Überprüfung wirklich stand. Konsequente Über- oder Unterbewertungen für eine Partei? Durchaus, und immer mit genügend Ausreißern in beide Richtungen. Nein, Umfrageinstitute haben primär zwei Schwachstellen:

Außerordentliche Ausschläge nach oben oder unten.All jene Ereignisse, für die im Thesaurus eifrig nach Erdrutsch-Synonymen gesucht wird: der SPD-Absturz in Niedersachsen 2003. Das Ende der Hegemonie der Berliner CDU 2001. Und eben auch: Der CSUnami 2008.

Sie alle wurden grundsätzlich vorausgesagt, in der Höhe allerdings abgefedert. Das ergibt aus Sicht der Institute Sinn, weil langfristige Parteibindungen immer noch existieren und wöchentliche Stimmungen diese nicht aufheben. Weil auch nicht alle Leute, die eine Präferenz angeben, sich am Sonntag auch tatsächlich auf zum Wahlbüro machen werden – für die USA anstehenden Midterms zum Beispiel sind wird das deutlich, wenn die Institute dort jetzt die Zahlen nicht für alle registrierten Wahlberechtigten ausweisen, sondern für jene, die auch wahrscheinlich wirklich wählen gehen (siehe einen 2014er-Artikel dazu). Die Überlegungen hierfür müssen gewichtet werden, und die Einschätzungen hierfür sind eben fehlbar. Die SPD hat drei Wahlen in Folge über 44% der Stimmen bekommen in Niedersachsen – wie wahrscheinlich ist es, dass sich etliche der Leute, die jetzt noch über Sigmar Gabriel poltern, sich doch wieder entscheiden?

Besonders rasante Entwicklungen in den letzten zwei Wochen vor der Wahl. Umfragen werden zumeist ein, zwei Tage nach dem Befragungszeitraum veröffentlicht, und dieser selbst umfasst meist eine halbe Woche oder mehr. Das heißt, dass sich kurzfristige Stimmungsveränderungen rein logistisch gar nicht unmittelbar abbilden. Das Paradebeispiel hierfür ist der Last-Minute-Einzug der Piraten ins Berliner Abgeordnetenhaus 2011; auch das recht deutliche Behaupten Erwin Sellerings 2016.

Für die CSU ist das leider einer außerordentlich ungünstige Konstellation.

Denn beide Kriterien sind für die Wahl am kommenden Sonntag erfüllt. Der wohl anstehende Absturz der Christsozialen ist zwar nicht komplett beispiellos, aber dennoch brutal. Und es scheint, als ob die Werte sich beinahe im Tagesrhythmus verschlechtern. Zusammen mit den im ersten Beitrag dieser Reihe erörterten politischen Paralleln zu 2008 sieht alles nach einem echten Oktoberfiasko aus.

Quantitativ: Umfragen in Bayern seit 1998

Die oben genannten Kriterien dominieren die Analyse, dennoch sei ein weiterer Blick auf die genauen Demoskopiewerte der vergangenen Wahlen geworfen (Rohdaten wie immer von wahlrecht.de):

Umfragen und tatsächliches Ergebnis bei der Landtagswahl in Bayern 1998. Ausgewiesen ist jeweils die letzte Befragung des Instituts, die höchstens zwei Wochen vor dem Termin erfolgte.

Umfragen Bayern 2003

Umfragen und tatsächliches Ergebnis zur bayerischen Landtagswahl 2003.

Umfragen Bayern 2008

Umfragen und tatsächliches Ergebnis zur Landtagswahl in Bayern 2008. Hier ist die größte klare Abweichung bei Umfragen zu sehen – der CSU-Absturz übertraf auch die pessimischsten Demoskopen.

Umfragen Bayern 2013

Umfragen und tatsächliches Ergebnis für 2013 zeigen wieder ein recht typisches statisches Rauschen.

Den Großteil aller statistischen Abweichungen hier sind im Erwartungshorizont der Fehler bei Umfragen. Allein die wirklich Werte für die SPD 1998 – enttäuschend angesichts des bundesweiten Trendes zum Ende der Ära Kohl – und natürlich der CSU-Absturz 2008 übertrafen die Projektionen. Und das ist für die CSU morgen kein gutes Zeichen angesichts der aktuellen letzten Zahlen.

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