NRW-Wahl: Analyse-Schwäche in letzter Minute und ein Viertel weniger Piraten

Update: Da relativ viele Leute auf der Suche nach dem Ergebnis auf diese Seite stoßen, hier ein Link dazu. Trivial, aber gut: Wikipedia zur Landtagswahl Nordrhein-Westfalen 2010. Beachtung verdient natürlich mein Beitrag über den neuen Bundesrat bei einer Großen Koalition in NRW.

Bemerkenswerte Nachlesen zur Wahl im Nordwesten gibt es im Netz ja genug, Gunnar Lott hat zum Beispiel eine ganz feine. Auffallend für mich: Mit dieser Wahl schließt sich die Klammer um den Übergang von Rot-grün zu Schwarz-gelb wieder, und es zeigen sich einige Parallelen zu den ersten Monaten der Ära Schröder:

  • Die Landtagswahl 2005 war die letzte unter einer rot-grünen Regierung auf Bundesebene, letzter Sonntag war der erste landesweite Urnengang nach dem Wechsel. Zwischenzeitlich hat sich jedoch nicht nur die Kanzlerschaft gewandelt, sondern auch die Parteienlandschaft insgesamt. Das ist auch einer der Gründe, weswegen die SPD mit einem der schlechtesten Ergebnisse wenn nicht zufrieden sein, so doch gut leben kann.
  • Gleichzeitig schreit es überall nach Hessen. Das Bundesland, dass im Jahr I der Schröder-Fischer-Truppe die erste Abwahl einer rot-grünen Regierung zelebrierte (Parallele #1), und im Januar 2008 das erste Mal in einem „alten Bundesland“ zu einem Patt nach klassischem Lagerbewusstsein führte (#2).

In meinen beiden Beiträgen zur Ausgangssituation nach den Umfragen hatte ich noch geschrieben, dass eine schwarz-grüne Mehrheit nahezu sicher ist – dazu ist es nicht gekommen, was vor allen der überragenden Last-Minute-Schwäche der CDU lag. Fast alle Umfragen (wahlrecht.de-Übersicht) sahen die CDU bei 37-38 Prozent. Die in den letzten Tagen verlorenen Prozentpunkte lassen sich tatsächlich primär bundespolitisch begründen, weil wahlweise (no pun intended) Merkels Zögern für eine Griechenlandhilfe oder schließlich die Entscheidung darüber von Medien und Wählern nicht eben positiv quittiert wurde.

Piraten: Knapp 40.000 Stimmen weniger als zur Bundestagswahl

Grünen-Piraten-Parallelen, wie sie die letzte Bundestagswahl erlaubte, gestalten sich unterdessen schwierig, denn die Grünen waren 1980, bei ihrer ersten republikweiten Wahlteilnahme, bereits in einigen Landesparlamenten, während die Piraten diesen Sprung noch vor sich haben.

Was sich aber durchführen lässt, ist ein NRW-Vergleich auf Freibeuterebene: Zur Bundestagswahl 2009 (Innenministerium NRW – Bundestagswahl 2009) hatten die Piraten 158.585 Stimmen oder 1,7% geholt. Am letzten Sonntag (wiederum Innenministerium NRW) waren es 119 581 (-39004) oder 1,5% [Update: endültiges Ergebnis – 121.046 (-37.539) oder 1,6%]. Ein Verlust von knapp 25% in den absoluten Stimmen schickt sich nicht an, einen Aufschwung der Partei zu bestätigen.

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