Nächsten Sonntag könnte die CDU ihr schlechtestes Ergebnis der Geschichte einfahren. Es wird, abhängig vom Ausgang in der Hauptstadt (dazu später mehr) ein schwieriger bis desaströser Tag für den Kanzler. Und möglicherweise eine der seltenen Momente, in denen im Willy-Brandt-Haus mal Schaumweinsteuer gezahlt werden muss.
Die üblichen Indikatoren: Wir haben eine beliebte, etablierte Ministerpräsidentin, keinen während der Legislaturperiode ins Amt gekommenen Spross wie in Rheinland-Pfalz oder Sachsen-Anhalt. Manuela Schwesig ist in einigen Kreisen wegen ihrer Widerworte zur bundesdeutschen Reformpolitik etwas angeeckt, in anderen Kreisen hallt noch das Gebaren um Nord Stream 2 nach. Aber beide Zirkel sind für ihren Wahlerfolg am Sonntag ohne Bedeutung.
„Die Frau gegen Blau“ schwebt intellektuell irgendwie in „C wie Zukunft“-Nähe (ich denke mir das nicht aus!), aber bringt die gewollte Zuspitzung. Von einem Zweikampf wie diesem profitieren eben die beiden Parteien – und alle übrigen haben das Nachsehen. Dementsprechend sieht es in der Umfragen-Lage auch aus.

Einen Einzug des BSW halte ich an dieser Stelle für nicht unwahrscheinlich, weil die Umfrage-Institute immer noch daran arbeiten müssen, Faktoren wie soziale Erwünschtheit oder grundsätzliches Misstrauen gegenüber Institutionen neu zu berücksichtigen. Diese sorgen wahrscheinlich dafür, dass BSW-Wähler:innen in den Rohdaten unterrepräsentiert sind.
Analog: Außerordentlich außer der Reihe tanzende Daten sind ein Problem. Das kann dazu führen, dass etwa auch besonders schlechte Ergebnisse – die SPD in Baden-Württemberg oder eben die CDU am Sonntag – schwierig zu modellieren sind.
Nein, ich würde keine signifikante Summe darauf verwetten oder hier als hot take posaunen, dass das BSW bestimmt drinnen und vor der CDU sein wird. Aber komplett überrascht wäre ich auch nicht.
Für das allseits beliebte Thema Regierungsbildung wäre das womöglich sogar einfacher. Denn sollten Bündnis 90/Die Grünen an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern und sowohl CDU als auch BSW im Landtag landen, hätte weder die bestehende Rot-rote Koalition noch ein hypothetische SPD-CDU-Allianz eine Mehrheit.
Offenlegung wie immer: FDP-Mitglied von c. 2002 bis 2009, seit 2009 bei Bündnis 90/Die Grünen, Mitarbeit am Online-Kampagnentool für die Partei, kein Amt oder Mandat angestrebt.

