Ein schöner Nebeneffekt meiner seit rund siebzehn Jahren hier gepflegten Tradition ist, dass ich bei der Vorbereitung für diese Beiträge zu Landtagswahlen immer vergleichen kann, wie sich die Informationslage entwickelt hat. Also einerseits zurückschauen auf meine Blogposts der vergangenen Zeit, um Tendenzen oder allzu oft Wiederholtes zu erkennen – oder gar Überraschungen! – und andererseits auch die Medienberichte anschauen.
In der zweiten Kategorie hat sich wirklich bemerkenswert viel datenjournalistisch getan, sowohl bei der Betrachtung der Vergangenheit als auch bei der Analyse des kommenden Urnengangs. So können sowohl Tagesspiegel („Der Ring ist die neue Mauer„) als auch der RBB die Entwicklung in der vereinten Hauptstadt seit 1990 anschaulich aufzeigen.
Die geographische Entwicklung (hey, da habe ich auch schon eine Analyse zu gehabt!) ist dabei das eine, die insgesamt sichtbaren großen Phasen der Berliner Landespolitik aber bringt unser treuer Freund das Liniendiagramm voran.

Sichtbar sind besonders die Ära Diepgen bis 2001, mit einem bestenfalls langsamen Anstieg der PDS als Entwicklung. Unter Wowereit konnte die SPD einigermaßen komfortabel ihre Spitzenposition halten, die PDS sank nach ihrem Raketen-artigen Gregory-Gysi-Aufstieg wieder langsam ab, Bündnis 90/Die Grünen stiegen in der Gunst, aber nie so, wie man eigentlich hätte glauben können. Nach meinem persönlichen Dafürhalten ist der Aufstieg der Piraten 2011 maßgeblich auf die Lücke der recht schwachen Kampagne zurückzuführen. Die FDP gibt es, sie braucht aber meistens Hilfe von außen wie eben 2001 oder der Prä-Ampel-Rückenwind.
Bei der Wiederholungswahl 2023 musste die SPD besonders Federn lassen – weil, wie oft bei Neuwahlen, ihr die zentrale Schuld an der Prozedur gegeben wurde (siehe meine Analyse). Davon hat sie sich seither nicht erholt, wie wir im Ausblick sehen werden.
Offenlegung: Ich war von c. 2002 bis 2009 Mitglied der FDP und bin seit 2009 Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen. Ich trete bei der kommenden Wahl nicht an, strebe kein Amt oder Mandat an und habe keine formale Partei-Funktion inne. Ich arbeite am Online-Tool der Partei zur Kampagnenführung mit.

