Knapp zwei Wochen ist die Wahl im Südwesten jetzt vorbei – und sie überraschte letztlich doch an so vielen Punkten, dass es einer eigenen Nachbetrachtung lohnt.
Dass Bündnis 90/Die Grünen letztlich doch noch das Ruder herumreißen konnten, ist eine der Überraschungen. Eine Bewegung zugunsten einer Kretschmann-Özdemir-Staffelübergabe war erahnbar, aber würde es wirklich reichen, um ganz auf die Union aufzuschließen?
Konnten sie – ein halber Prozentpunkt mehr bei den Zweitstimmen, trotz Mandatsgleichheit. Auch wenn das Baden-Württemberger Wahlrecht Ausgleiche vorsieht, hat das Ergebnis die CDU eher bevorteilt (wenn auch weniger stark als im alten Recht, wo sie stärkste Kraft geworden wären).
| Partei | Zweitstimmen | Landtagssitze | Stimmen pro Mandat |
|---|---|---|---|
| Bündnis 90/ Die Grünen | 1.623.156 | 56 | 28.985 |
| CDU | 1.595.844 | 56 | 28.497 |
| SPD | 298.278 | 10 | 29.828 |
| AfD | 1.010.449 | 34 | 29.719 |
Hätten die in den Erststimmen erfolgreicheren Grünen und besonders die Union vom Wahlrecht den gleichen Sainte‑Laguë-Quotient erhalten wie die SPD, wären ihre Fraktionen um zwei bzw. drei Mandate kleiner.
Eine noch größere Überraschung: Das Abschneiden von FDP und Linken – hatte ich so wirklich nicht erwartet und deswegen in meinem letzten Beitrag nicht einmal mit einem Sicherheitsnebensatz eingeräumt. Für die PDS-und-mehr-Nachfolgepartei ist das ein Dämpfer in ihrer Aufstiegsnarration (nach 6,8% ländesweit bei der Bundestagswahl), für die Liberalen ein Desaster zur Unzeit.

Selbst vor fünfzehn Jahren, als die unbeliebte schwarz-gelbe Bundesregierung ihre Maluspunkte auch auf alle Landesparlamente verteilte, hielt sich die FDP noch knapp im Stuttgarter Landtag (5,3%) und flog „nur“ zeitgleich aus dem Mainzer Parlament. (In Rheinland-Pfalz lässt sich die Zustimmung für die Partei schon seit Monaten nicht mehr demoskopisch messen, das hilft also nicht.) Und als die FDP im Januar 2025 die bundesweite Fünfprozenthürde nicht überschritt, erzielten sie immerhin im Südwesten selbst noch 5,6%. Was die FDP bräuchte, wäre eine Wahl, bei der sie die Frustration mit der CDU wirklich nutzen könnte – so wie 2012 in NRW. Danach sieht es aber aktuell einfach überhaupt nicht aus.
Wo wir uns gerade schon die Fünfprozenthürde von unten ansehen: Das BSW war mit 1,4% tief im Sonstigen-Bereich und auch hinter dem eigenen Bundestagswahlergebnis (4,1%) sowie den Freien Wählern (1,9%).

