Drüben bei IGN ist ein neuer Artikel von mir erschienen, in denen ich mir die für 2026 erwarteten Strategie-Titel anschaue. Wenig überraschend: Zweimal Warhammer 40K und ein neues HoMM, schon sind wir fast an der Zeichenvorgabe-Grenze. Und in der nächsten Sims-Nachbarschaft bei Gamersglobal bin ich Teil des Nonetts, das die jeweilig individuellen Top 5 des vergangenen Jahres preisgibt.
Was mir beim Schreiben und dann Wiederlesen des Artikels, besonders der Vorschau, auffiel: Das macht Spaß, ist nützlich und es verlangt nach der hohen Kunst des knappen Ausdrucks. Dass es uns zu Print-Zeiten gelang, teilweise Top-10-Listen auf ein bis zwei Seiten unterzubringen und trotzdem mehr zu schreiben als den Namen des Entwickler:innen-Teams und zwei Features: Respekt.
Es kamen auch wohlige Erinnerungen auf an einen Weihnachtsartikel, den wir bei der Games bauten mit Geschenkempfehlungen und den obligaten Weihnachtsmann-Mütze-Bildern. Nichts davon bewegte die Welt, aber ich schätzte sowohl die redaktionelle Gemeinsamkeit der Arbeiten als auch den Ruhepuls, der von den entsprechenden Artikeln ausging. Tagesgeschäft wichtig, richtig – aber lasst uns nochmal bei einem Heißgetränk pausieren. Was war, was wird?
Imperiale Endzeit-Echtzeit
In der IGN-Liste tauchen ebenfalls auf: „Menschen, denen X gefallen hat, empfehlen wir…“ – und zwar Empires Eternal für Freund:innen von Empire Earth und Ashes of the Singularity 2 für alle jene, die Total Annihliation (hier Phonetik-Witz1 einfügen) mochten. Richtig, zu beiden habe ich Anekdoten. (Und warum beginnen so viele meiner Geschichten bei der großen Echtzeitstrategie-Saison Ende 1997?)
Der Release von Age of Empires überraschte damals die meisten Experten (=Menschen in meiner Klasse). Nicht Dark Reign, nicht das komische Total-Anna-Spiel-, nicht Dark Colony, nicht Con… sondern ein Spiel mit… Elefanten? Und Beerenpflückerinnen? Aber die Progression über parallele Zeitalter-Fortschritte: Top. Und dann wurde im Umfeld der Veröffentlichung bekannt, dass einer der Leute dahinter, Rick Goodman, ein neues Werk baut, das diese Ambition noch einmal in die Höhe schreibt. Vom Faustkeil bis zum Raketenstart! Auch die ersten 3D-Renderings sahen toll aus (glaube ich, es war Ende 1997 und alles nicht-gezeichnete sensationell).
Als Empire Earth tatsächlich erschien, war ich bereits in Kanada und zumindest mittelfristig ohne Spiele-PC, folglich gingen Release und Berichterstattung an mir vorüber. Erst als 2004 zur Jubiläumsausgabe (12 Jahre!) in der legendären Geschenkpapier-Cover-Ausgabe das Spiel als Vollversion dabeilag, kam ich wieder dazu. Zwischenzeitlich hatte ich sogar überlegt, die Einbindung von Aristoteles in meinem ersten Philosophie-Proseminar zu thematisieren, aber das wäre dann doch zu bemüht geworden.
In jedem Fall: Empire Earth spielte ich ein wenig, so ganz verfing es aber nicht. So richtig los ging das wieder mit Teil Drei, dessen Ankündigung bei PC Games exklusiv hatten – als… drittes oder viertes Cover-Thema? Offensichtlich: Der Stern der Marke war weiter gesunken, und so richtig weit oben am Himmel hatte er zudem nie gestanden. Und was wurde aus Empire Earth 3, dem letzten Werk schließlich? Eine ziemliche Enttäuschung, die das (über)komplexe Prinzip der beiden Vorgänger zu einem beleidigend simplen Konstrukt verflacht hatte. Es gab auch keine Beschwerden aus der Community über unsere niedrige Wertung.
Zoooom!
Ganz anders sah das bei Supreme Commander aus, dem inoffiziellen Total Annihliation 2. TA hatte zum Zeitpunkt des Erscheinen eine treue Fangemeinde, die auch in den Leserbriefen lautstark anmeldete, dass ihr Spiel im Vergleich zum weit weniger spektakulären StarCraft nicht genügend gewürdigt werde. Der Unterschied zu Dark Reign, Age of Empires und dem Rest der Familie: Alles war größer und mehr. Und statt einem tatsächlichen Einsammeln und Ausgaben von Rohstoffen ging es eher darum, Masse und Energie (die sich, soviel Relativitätstheorie muss sein, natürlich auch ineinander konvertieren ließen) als konstanten Zufluss zu haben. Auf viele Menschen, mich eingeschlossen, wirkt das eher wie eine etwas zu verquere Variante des typischen Ablaufs, aber die Fans – und eben auch das Team hinter Ashes of the Singularity (was für ein toller Titel!) schwört darauf.
In meinem PC-Games-Rückblick kam das Spiel mehrfach vor: Vor-Ort-Event in Paris, Anschleppen des heimischen Monitors für eine Demonstration der Zweibildschirm-Unterstützung. Was fehlt: Am Tag nach dem Test – eine 77 trudelte die einzige direkt an mich gerichtete Mail ein, in dem der Verfasser mir Käuflichkeit oder zumindest Voreingenommenheit zugunsten von Command & Conquer 3 Tiberium Wars vorwarf, ein Rückgriff auf die PC-Player-Mailbox ein Jahrzehnt vorher.
Und schließlich: Im Nachgang des IGN-Artikels erwähne ich, dass mein erstes Echtzeitstrategie-Spiel Victory! war, wie Polanie auf deutsch hieß. Das war auf einer PC Player als, äh, Vollversion drauf und wurde dort mit „aus den Anfängen der Echtzeitstrategie“ noch recht schmeichelhaft umschrieben.
2025 hatte einige sehr gute Titel, auch wenn ich wie so oft auch einigen abgeplatzten Lack sehe. 2026 kann das natürlich besser werden, sollte tatsächlich ein Remake von Max Payne 2 erscheinen.
- Und mit viel Mühe ein Phoenizier/Phonetik-Wortspiel? ↩︎

