Outlaws: Damals und heute.

Spieltrieb

Es ist ja in gewisser Weise einfach, was Schönes über StarCraft zu schreiben, spielerisch wird es ja ohnehin nicht mehr besser. Anders sieht die Sache aus bei Titeln, die sehr sehr offensichtliche ihre Baustellen mit sich bringen. Die Zweite Reihe bei Stay Forever zu Heart of Darkness fällt mir da etwa ein.

Oder, richtig, Outlaws. Ein alles andere als perfektes Spiel, dessen Komplexität meines Erachtens nirgendwo so richtig erfasst wurde. Ein Großteil der schlechten Kritik: Hässlich und altbacken. Das Lob: Tolle Atmosphäre, Soundtrack und einige Ideen.

Beides richtig, aber es greift zu kurz. Viel zu kurz. Was dagegen nicht kurz ist: Meine eigene Geschichte mit dem Spiel.

Sommer 1997. Ich bin mit meiner Großmutter auf Föhr für drei Wochen aus Gründen, die mir auch im Nachhinein nicht klar sind. Es ist insgesamt kein schöner Urlaub, wir sind einer echt ollen Ferienwohnung (ohne Computer natürlich), wir streiten uns viel. Es gibt vor Ort wenig für einen Dreizehnjährigen interessantes zu tun. Und so hole ich mir jede Menge PC-Zeitschriften, um wenigstens im Kopf etwas unterhalten zu werden. PC Action 7/97, Titelgeschichte Monkey Island 3 (OMG OMG OMG OMG) und als Demo: Outlaws. Über 300 Megabyte!

Als ich endlich, endlich, endlich für ein paar Wochen vor dem Schulbeginn daheim bin: Hineinstürzen in die Demo. Nach meiner Erinnerung das erste Action-Spiel aus Ego-Perspektive, bei dem mir nicht schlecht wurde. Aber in dem ich trotzdem schlecht war. So brauchte ich sicherlich den ganzen Rest der Ferien, um durch das erste Level – Hideout – zu kommen.

Foto der Hülle von PC Action 07/97, Demo des Monats: Outlaws
Im Keller gefunden: Die alte Demo-CD. Soll noch mal einer sagen, dass es für nichts gut ist, mit dem Krempel sechs Mal umzuziehen.

Jahre später holte ich mir das Spiel dann mal in einer großen Eurobox. Es dauerte lange und ich brauchte wenigstens zweimal Cheatcodes aufgrund massiver Verwirrtheit, aber letztlich gelang es mir doch, mich ganz durch James Andersons Geschichte durchzuspielen. Eine Geschichte, die nicht völlig frei von Klischees ist (aber dann doch einen neuen Twist bekommt). Irgendwann schrieb ich sogar ein englisches Gedicht darüber, dass ich bei Gelegenheit mal poliert veröffentlichen werde. Die Spielerfahrung ingesamt – Kampagne, historische Missionen – konnte für mich das Western-Flair prima einfangen. Ein Fort zu erstürmen, das erinnerte mich an Karl-May-Verfilmungen zu den besten Zeiten!

Und dann dieser Soundtrack.

Es gibt wirklich wenig Titel insgesamt, die musikalisch in einer Liga mit Outlaws spielen. Auch, weil qua Setting eben kein generisches Fantasy- oder Science-Fiction-Geraffel ansteht. Die Lied-Auswahl lässt sich praktisch gar nicht genug loben.

Dagegen kritikwürdig – und nach meinem Dafürhalten in der damaligen Spielepresse komplett unbeachtet: Das Leveldesign spätestens ab oder nach dem Canyon wird zu verworren, für immersive Umgebungsrätsel tragen aber gerade die Grafik und die überschaubaren Inszenierungsmöglichkeiten so überhaupt nicht. Hier liegt für mich wesentlich eher eine Schwäche des Spiels als in der vergleichsweise offensichtlichen Noch-ein-Synonym-für-hässlich-Grafik.

Und obwohl Outlaws sich auf die Fahne schreiben kann, mit dem Zielfernrohr Pionierleistung im Genre betrieben zu haben, gerät das Waffenbalancing zu schnell aus den Fugen. Als Gegenleistung für das einfache wegsnipen von Widersachern auf Distanz setzt uns LucasArts irgendwann Räume voller frei verteilter Gegner vor, was für unangenehme Spitzen im Schwierigkeitsgrad sorgt. Wobei das Durchrennen mit der abgesägten Schrotflinte dann doch wieder sehr reinhaut.

Licht und Schatten eng beisammen: Ich freue mich daher riesig, all das drüben bei meinem Test des Remasters von Outlaws niederschreiben zu können. Und nach fast dreißig Jahren einen so berechtigten Award vergeben zu dürfen.

Es dürfte offensichtlich sein: Outlaws ist für mich eines der Titel, die trotz ihrer deutlichen Schwächen schon fast zum Kanon gehören.

PS: Es scheint, dass sowohl etliche Tests als auch die Packung selbst eifrig Cheats benutzt haben. Hmnaja.

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