Tag Archives: Frühstück

Rezept: Red-Bull-Marmelade mit Koffeinstückchen

Ich habe zum ersten Mal Marmelade gekocht. Auf Basis der ganzen Anleitungen aus dem Bioladen, den zahlreichen so verarbeiteten Früchten aus eigener Erzeugung sowie dem großartigen Stück Terrassengarten, auf dem wir urban gardening in Miniaturversion betreiben, fiel die Wahl des Zielobjektes einfach aus: Ein Energy Drink.

Zutatenliste
Die benötigten Zutaten. Ja, eine kognitive Dissonanz ist feststellbar.

Tatsächlich hatte ich mich schon länger gefragt, ob es nicht möglich wäre, “aktivierende” Brotaufstriche zum Frühstück herzustellen, schließlich schmecken fast alle Getränke dieser Art ohnehin bizarr süß. Auf diese Weise bekommt der morgendliche Kaffee etwas Unterstützung – weil eine Dose Red Bull aber, verteilt auf ca. 15-20 Brötchenhälften, kaum noch nennenswertes Taurin und Koffein übrig hat, verstärkt durch Koffeintabletten. Also, schreiten wir ans Werk: Continue reading Rezept: Red-Bull-Marmelade mit Koffeinstückchen

Gefühlt gut: Das Lorberth

Kurz vor dem Monatsende ist es an der Zeit, aufzuholen – Beiträge. Und auszuholen – zeitlich zurück. (Wie gut, dass ich keine Vorsätze für dieses Jahr gemacht habe, was die Selbstdarstellungsfrequenz in diesem meinem Blog angeht.) Dementsprechend gebietet es sich zunächst, eine Rezension für einen Ort zu schreiben, den ich knapper Zeit gleich drei Mal aufsuchte: Das Lorberth (Homepage, Qype, Google Maps) in, wie könnte es anders sein, Prenzlauer Berg.

Minimal abseits der allzu einschlägigen Straßen, aber immer noch gut zu erreichen, findet man hier zwar nur eine begrenzte Auswahl, aber dafür Speisen in hoher Qualität und sehr freundliches Personal. Vom „Digital Boheme“-Faktor eines St. Oberholz ist Lorberth gut entfernt, der Restaurant-Charakter deutlich dominant, Couches nur vereinzelt vorhanden; dennoch ist (postfrühstückliches) Arbeiten Normalität. Continue reading Gefühlt gut: Das Lorberth

Sowohlalsauch: Gentrifizierung und Frühstück in der Kollwitzstraße

Wohl wenige Läden habe ich so oft besucht wie das Sowohlalsauch (Website, Qype, Google Maps; übrigens verpartnert mit dem Entwederoder). Der Grund ist einfach: Der Laden hat ab 8 Uhr auf und war damit das einzige Etablissment, das ich in der dreizehnten Klasse zwischen Schwimmunterricht (“7 Uhr am Beckenrand!”) und regulärer Stunde (10 Uhr, Physik-Erweiterungskurs) jenseits muffliger Bäckerein besuchen konnte.

Damals wie heute strömen die Leute bereits zu geradezu nachtschlafener Zeit in den heimeligen Laden, der mit Klimmt-Zeichnungen, gedeckten Farben und geschwungener Typographie eng zwischen Ambiente und Kitsch mäandert. Zu klassischen Frühstückszeiten ist es durchaus üblich, länger auf einen Platz zu warten, vor einiger Zeit wurden wir sogar, draußen sitzend, gar nicht bedient. Dementsprechend rate ich dazu, bei Besuchen im tiefsten Prenzlauer Berg früher Vogel zu sein und zumindest Kaffee zu fangen.


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Blaues Band an stillgelegtem Gleise

Die Alte Schönhauser Allee, Hausnummer Sieben, an einem Tag, der viel wärmer aussah, als er wah.
Die Alte Schönhauser Allee, Hausnummer Sieben, an einem Tag, der viel wärmer aussah, als er war.

Achtung, Hobbylektoren – viel zu lange, völlig vom Thema abschweifende und absolut SEO-feindliche Einleitung in drei, zwei, eins…

Ich fuchse mich ja sehr gerne in alte S-Bahn, U-Bahn und Straßenbahnpläne, schaue mir an, wo früher noch Schienenfahrzeuge fuhren und fachsimple gerne über mögliche Ausbauten, auch gerne exotischer als der Ausbau der M10 zum Hauptbahnhof. Zu den wenigen innerstädtischen Stilllegungen, die ich mitbekommen habe, zählt die der alten M2-Stammstrecke: Die Straßenbahn aus Heinersdorf (die früher die Nummer 1 war) endet ja jetzt direkt am Alexanderplatz und fährt deswegen nicht mehr über die Torstraße und die Alte Schönhauser zum Hackeschen Markt. Aus ÖPNV-Sicht macht das die Gegend zur verkehrsberuhigten Zone – und ein bisschen vermisst man das gewohnte Zucken und Kreischen (und falschparkerbedingte Stehenbleiben) der Trams, wenn man sich mit reichhaltigem Erfahrungsschatz ins Blaue Band setzt.

Ein simuliertes Im-Bett-Herumdrehen

Dieser Laden (Google Maps, Qype, Website) hat sich mittlerweile in die Agenda so vieler Menschen begeben, dass es ab 11 Uhr zur echten Herausforderung wird, einen Platz zu finden. Es lohnt sich auch durchaus, bereits früher da zu sein und die Stille der Räume zu erleben, bevor sie von Metallklappern und angeregten Gesprächen beschallt wird. (Gut, heute morgen war die Stille ein wenig von Downbeats übertönt, die auch sonst sehr freundliche und überwiegend aufmerksame Bedienung kam dem aber schnell nach.)

Es ist genau die Stimmung, die ich um zehn Uhr habe an einem Samstag, dieses beinahe wach sein, aber natürlich die geöffneten Augen nur simulieren. Besonders der hintere Teil des Blaues Bandes ist dunkel, ohne miefig zu wirken. Eine lange, lange Übereckbank rahmt die übrigen massiven Tische und Stühle, von den hohen Wänden hängen – und das teilweise sehr tief – Lampen, über der Übereckbankrückenlehne zieren Stoffrechtecke die Wand. Continue reading Blaues Band an stillgelegtem Gleise

Café Anna Blume: Mit Charme und Etagere

Café Anne Blume von außen (wo man sich natürlich auch hin, pardon, pflanzen kann.
Café Anne Blume von außen (wo man sich natürlich auch hin, pardon, pflanzen kann).

Mitten im tiefsten Frühstückslädendickicht befindet sich das Café Anna Blume (Homepage, Qype-Link, Google Maps). Wer möchte, kann von dort nicht nur Kollwitzstraßen-typisch Kuchen mit nach Hause nehmen, sondern auch gleich die namensgebenden Blumen beim hauseigenen Floristen einsacken. Für den Prenzlberg-markanten bürgerlichen Charme (nicht im CDU-FDP-Sinne), für kneipenferne Heimeligkeit sorgt auch die gedeckte, aber keineswegs bedrückende Farbgebung des Ladens. Kurzum: Der erste Eindruck bestätigt genau die Erwartungen an ein solches Etablissement im Gentrifikationsghetto; weil das offensichtlich viele Zugezogene wie Einheimische so sehen, ist das Platzangebot allerdings überschaubar. Continue reading Café Anna Blume: Mit Charme und Etagere

Zurück zu den Graswurzeln: Restaurantkritik #1

Ganz ursprünglich, wir reden hier von 2005 und 2006, hatte ich einmal ein Blog, dass sich ausschließlich dem Frühstücken widmete. Hieß: Ich lief irgendwohin machte, mir Notizen, und erstellte hinterher so eine Art Testbericht inklusive toller Wertung, die sich als Durchschnitt aus den Einzelwertungen für Atmosphäre, Bedienung und Speisequalität errechnete. Natürlich, wie für einen Spielezeitschriftsjunkie, auf der 100er-Skala (siehe den damaligen Beitrag zum Wertungskasten).

Enjoying the Moment im Café Solvey. Bild: Elisabetta Lombardo
"Enjoying the Moment" im Café Solvey. Bild: Elisabetta Lombardo

Noch mehr phantastische Polaroid-Café-Bilder gibt’s übrigens nebenan bei meiner besseren Hälfte. Die entsprechenden Posts des mittlerweile stillgelegten Blogs liegen noch irgendwo als SQL-Dump, aber die Idee, mal wieder über die wichtigste, schönste und müßiggängigste, zeitungsgeeignetste und verschlemmteste Mahlzeit des Tages zu schreiben, ist immer noch da. Ja, ich könnte auch einfach rumqypen, aber mir ist der persönliche Bezug hierbei wichtiger als die Weisheit der Massen.

Kuuuuuchen!

Und damit zur ersten Frühstücksrestaurantkritik auf diesem Blog. Der Kandidat heißt: Café Solvey, zu finden in der Invalidenstraße 110 (bei Google Maps zeigen) und damit für Mitte-Jünger ideal zu erlaufen (aber auch sonst via Tram 12, M10, M8, Bus 245, 247 und Nord-Süd-S-Bahn gut angebunden). Was den Laden trotz gratis WLAN von den üblichen Latte-Macchiato-Tempeln unterscheidet, ist die nostalgische Einrichtung. Das Geschirr entstammt der persönlichen Sammlung der Besitzerin, sodass weder eckiges Designer-Zeugs noch IKEA-genormter Kram zum Einsatz kommt. Continue reading Zurück zu den Graswurzeln: Restaurantkritik #1

Morgenstund…

Anmerkung: Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen importierten Artikel aus meinem damaligen Blog “Morgenstimmung Berlin”, der nach langer und beschwerlicher Datenbankreise den Weg in dieses Blog geschafft hat – an Zeichenkodierungen und ggf. Bildern arbeite ich allerdings noch.

…bereitet dem werten Frühstückssuchenden immer wieder Probleme dabei, geeignete Lokalitäten zu finden. Nach durchaus schwieriger Suche fiel die Entscheidung diesmal aufs Keyser Soze, einem Lokal inmitten der quirligen Gegend zwischen Oranienburger Stra?üe und Auguststraße. Vielleicht lohnt es sich bei den ganzen Künstlern und Studenten in der Gegend einfach nicht, so früh aufzumachen…? Continue reading Morgenstund…

Breakfaster

Anmerkung: Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen importierten Artikel aus meinem damaligen Blog “Morgenstimmung Berlin”, der nach langer und beschwerlicher Datenbankreise den Weg in dieses Blog geschafft hat – an Zeichenkodierungen und ggf. Bildern arbeite ich allerdings noch.

Frühstück in einem Flugzeug einzunehmen, hat nach meinen zurückliegenden Erfahrungen (mit Ausnahme eines überbuchten Fluges mit anschlie?üender Business-Class) eher etwas Bedauerliches für sich. Frühstück im Zug kann dagegen, trotz [insert Metropa-Witz] sehr, sehr gut sein.

Auf zahlreichen Strecken kann man sich ja ins BordRestaurant bzw. BordBistro packen und für moderates Geld (also, im Verhältnis zu anderen Restaurants) Essen und Kaffee fassen. Oder aber man bleibt am Platz und belässt es beim Essentiellen.

Mit 240km/h auf dem Weg zur Cebit 2006 und dabei frischer Kaffee. Was kann es Schöneres geben?

Geiz ist geil?

Anmerkung: Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen importierten Artikel aus meinem damaligen Blog “Morgenstimmung Berlin”, der nach langer und beschwerlicher Datenbankreise den Weg in dieses Blog geschafft hat – an Zeichenkodierungen und ggf. Bildern arbeite ich allerdings noch.

Wie ich ja schon einmal ausgeführt habe, spielt in der Bewertung der Restaurants der Preis keine Rolle, stattdessen weise ich bei besondere Preisgestaltung im Text darauf hin. Anlass dazu bietet das Frühstück vom vorgestrigen Sonntag, wo mich das Wetter und mein werter Mitbewohner von einer Fahrradtour nach Friedrichshain [ich wohnte damals in Adlershof] überzeugen konnte – die Simon-Dach-Straße als Ziel, da wird sich schon etwas finden. Continue reading Geiz ist geil?

Um die Ecke gedacht!

Anmerkung: Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen importierten Artikel aus meinem damaligen Blog “Morgenstimmung Berlin”, der nach langer und beschwerlicher Datenbankreise den Weg in dieses Blog geschafft hat – an Zeichenkodierungen und ggf. Bildern arbeite ich allerdings noch.

Manche Namen bieten sich f?ºr gastronomische Einrichtungen scheinbar wie von selbst an. Jeder Stadtteil Berlins hat ein eigenes Zw??lf Apostel – und ?§hnlich sinnvoll scheint es dem einen oder anderen Betreiber einer Eck”kneipe”, diese ?úbereck zu nennen, so dass es auch hiervon in Prenzlauer Berg und Friedrichsain ein Etablissement gibt. Von uns getestet wurde dabei Letzteres im, wie es so sch??n hei?üt, quirlig-antiautorit?§ren Gebiet um den Bahnhof Ostkreuz.

Tür zu!

Innenansicht des ?úbereck

Die scheinbar schwierigste Probe so mancher Einrichtung besteht das Lokal: man hat nicht sofort das Bed?ºrfnis, mit einer Armada aus Febreze und Brise one touch einen eingefressenen Nikotingeruch zu bek?§mpfen, im Gegenteil. Trotz relativ dichter Bestuhlung und etlichen Rauchern ist die Luft um die Mittagszeit herum immer noch gut zu ertragen. Eingerichtet ist das Lokal rustikal in dunklem Holz, wobei die kleinen Tische f?ºr zus?§tzliche Intimit?§t sorgen.

Das ?úbereck verf?ºgt ?ºber einen stra?üenseitig gelegenen Raum, der entsprechend hell ist – ?ºber die Aussicht kann man streiten – und ein “Hinterzimmer”, wo es etwas schummriger zugeht. Die Eckt?ºr wird von einem schweren Vorgang davon abgehalten, zuviel zu ziehen – wenn die Kellnerin daran denkt und die G?§ste aufmerksam sind. Wie im Verlauf auffiel, ist das Caf?© doch etwas k?ºhler – kaum jemand sitzt kurz?§rmelig oder auch nur in d?ºnneren Stoffen am Tisch.

Ohren zu!

Sehr unpassend scheint bei Alledem die Musik gew?§hlt, welche ungute Erinnerungen an schlechte Kollektionen im Teleshopping ? la “Beste Filmmusik der 30er!” aufkommen lie?ü. Dies ist insofern unverst?§ndlich, als dass ich mir weder vorstellen kann, dass man im Friedrichshain so auf Frank-Sinatra-Plagiate abf?§hrt, noch dass es zum ?ºbrigen Interieur sonderlich gut gepasst h?§tte. Freundlicherweise ist die Akustik im ?úbereck so, dass man sowohl die Gespr?§che der Nachbarn als auch das Hintergrundgedudel wunderbar ausblenden kann.

Augen auf!

Die – nebenbei bemerkt sehr h?ºbsche – Kellnerin geht mit reger Aufmerksamkeit und authentischer Herzlichkeit ihrem Werk nach. Sie wird weder besonders aufdringlich, noch entstehen besondere Wartezeiten. Allerdings vers?§umt sie es, die Kerzen auf dem Tisch anzuz?ºnden – hier war Do-it-yourself angesagt.

Mund auf!

Fitness-

Die Speisekarte ist nicht eben die Offenbarung der k?ºhnsten Fr?ºhst?ºckstr?§ume, kennt aber neben den ?ºblichen Verd?§chtigen Frankreich, Schweiz, Gro?ü, Klein noch ein Lachs-, ein M?ºsli- und ein Fitnessfr?ºhst?ºck. Wer m??chte, kann nat?ºrlich schon aus der reichhaltigen (Beutel)Teeauswahl etwas nehmen – wir begn?ºgten uns mit Milchkaffee und Kakao, beide zwar hei?ü und lecker, aber ohne Keks!

Die fertigen Fr?ºhst?ºcksmen?ºs sahen ansehnlich aus und waren mittelpr?§chtig vielf?§ltig: die Obstauswahl gab es zwar schon mal origineller (wobei immerhin das gesamte Farbspektrum abgedeckt wurde), daf?ºr war bei beiden Tellern, wie die Abbildung verr?§t, kein einziger K?§se doppelt. K?§se, Marmelade und Br??tchen waren frisch und von solider Qualit?§t, ohne besondere kulinarische H??hen zu erklimmen – ich pers??nlich w?ºrde mir prinzipiell noch markanteren K?§se w?ºnschen und fand die angebotenen Sorten durchweg zu mild, aber das ist meine pers??nliche Auffassung ;-). F?ºrs Protokoll am Rande: der Brotkorb hatte schon bessere Zeiten gesehen.

Gl?ºck auf!

Fazit: das Caf?© ?úbereck im Friedrichshain ist keine au?üerordentlich herausragende Adresse, sondern genau das, was man von einem Friedrichshainer Fr?ºhst?ºcksschuppen erwartet: eine authentische Bedienung, vern?ºnftig gepreistes Essen ohne kulinarisches Overstatement. Wer einen Pulli dabei hat und nicht sofort pelziges Trommelfell von Frank Sinatra bekommt, sollte mal am Ostkreuz aussteigen!

Wertung: ?úbereck
Speisen und Getr?§nke 85% 77%
Atmosph?§re 70%
Bedienung 75%
Lehnbachstra?üe/Sonntagstra?üe (S Ostkreuz).
Preise: Croissant-Fr?ºhst?ºck gro?ü 4,00‚Ǩ, Milchkaffee 2,20‚Ǩ, Orangensaft: 1,60‚Ǩ.