Tag Archives: CSU

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Parteien und Arbeitslosigkeit?

TL;DR: Nein, nicht wirklich.

Arbeitslosigkeit war lange Zeit das dominierende und für einen Großteil der Wähler wichtigste Thema bei Land- und Bundestagswahlen. Was liegt da näher als zu untersuchen, inwieweit hier tatsächlich systematisch bestimmte Parteien oder Koalition besser (oder eben schlechter) bei der Bekämpfung von Arbeitslosigkeit sind? Dass die Parteien selbst mit entsprechenden Erhebungen oder selektiv herausgegriffenen Daten werben, kommt allerdings schon verdächtig selten vor. (Mir fiel noch ein Flyer der CDU mit Pisa-Punktergebnissen ein, aber mein Gedächtnis kann ich eben nicht verlinken.)

Methodik

Diesmal kommt der Blogpost nicht ohne eine längere Abhandlung der Methodik aus. Abgekürzt wird das lediglich dadurch, dass die Ergebnisse eben keinen Zusammenhang suggieren, so dass ich die Unterscheidung zwischen Korrelation und Ursache oder aber versteckte Abhängigkeiten keine Rolle spielen. Continue reading Gibt es einen Zusammenhang zwischen Parteien und Arbeitslosigkeit?

Ein Jahr nach der Wahl: Wie ist die Stimmung im Land?

Ähnlich wie beim vorherigen 100-Tage-Vergleich möchte ich das einjährige Wahljubiläum der derzeitigen Bundesregierung dazu nutzen, einmal einen demoskopischen Vergleich anzustellen – wie steht die jetzige Regierung in den Umfragen, und, wichtiger noch: Wie ist das im Vergleich mit den vergangenen drei Kabinetten zu bewerten.

Anmerkung zur Vorgehensweise: Ich habe für diese Analyse jeweils die zeitlich nächste Umfrage vor dem Erreichen der Ein-Jahres-Marke genommen. Das hat den kleinen Nachteil, dass aufgrund des vor der Veröffentlichung erfolgenden Befragungszeitraumes kein wirklich exaktes 1-Jahr-später-Bild entsteht, sondern nur fast. Dem steht entgegen, dass diese Methode natürlich konsequent angewendet wurde (also auch für die Betrachtung der Vergangenheit), so dass eine gewisse Vergleichbarkeit gegeben bleibt, dass durch die Durchschnittsbildung einzelne Ausschläge ohnehin abgemildert werden und auch, dass anderenfalls gar kein 1-Jahres-Vergleich möglich wäre. Allerdings habe ich mich dafür entschieden, bei der aktuellen Umfrage-Lage nicht nur wie üblich GMS (zu seltener Turnus), sondern auch Infratest dimap auszuschließen, weil die letzte Umfrage in einem anderen Zeitraum erfolgte. Grundsätzliches Kriterium für die gesamte Betrachtung ist die Publikation wöchentlicher Ergebnisse um den betrachteten Zeitraum herum, eine weitere qualitative Unterscheidung und Gewichtung wird nicht vorgenommen. Der Durchschnitt wird immer aus allen jeweils betrachteten Umfrageinstituten gemittelt, weil angenommen wird, dass zwischen diesen an und für sich kein qualitativer Unterschied besteht. Bei der Forschungsgruppe Wahlen gilt grundsätzlich die Projektion, weil ein ähnliches Verfahren für die anderen Institute auch angenommen wird. Alle Umfragen wie immer von Wahlrecht.de.

Die Momentaufnahme mit ihren Analysen. Hierfür aufgenommen: Allensbach (21.9.2010), Emnid (22.9.2010), Forsa (22.9.2010), Forschungsgruppe Wahlen (24.9.2010).
Offensichtlich sind gewisse Unterschiede zwischen den Instituten, die groben Tendenzlinien allerdings reisen miteinander.
Der Vergleich zeigt eine deutliche Verschiebung zugunsten der Oppositionsparteien
Die Entwicklung der sogenannten Volksparteien (CDU/CSU und SPD) und der kleinen Mitstreiter seit der Wahl.

Bemerkenswert scheint mir in dieser Aufstellung der große Unterschied zwischen insbesondere der Forschungsgruppe Wahlen bzw. Allensbach und Forsa bei der Evaluation von SPD und Grünen – einmal elf Prozentpunkte Unterschied, einmal Gleichstand. Emnid liegt dabei in der Mitte. Eine Untersuchung des Unterschieds zwischen politischer Stimmung und der von der Forschungsgruppe herausgegebenen Projektion wiederum ergibt, dass hierbei nicht die Erklärung liegen kann. Es scheint schlichtweg so, als ob sich die Samples der Institute hier wirklich deutlich unterscheiden.

Allensbach Emnid Forsa FGW Mittelwert Bundestagswahl
CDU/CSU 32,5% 31,0% 29,0% 31,0% 30,9 % 33,8%
SPD 29,5% 26,0% 24,0% 30,0% 27,4 % 23,0%
FDP 6,5% 6,0% 5,0% 5,0% 5,6 % 14,6%
Grüne 18,5% 20,0% 24,0% 19,0% 20,4 % 10,7%
Die Linke 8,0% 11,0% 9,0% 9,0% 9,3 % 11,9%

Der Rest des Status Quo dürfte niemanden überraschen: Die FDP [Disclaimer: Ich war einmal Mitglied.] dauerhaft in der Abstiegszone, die CDU etwas schwächer als bei der Wahl, die Linke wohl auch als Resultat ihrer Personalquerelen ebenfalls nicht unbedingt in der Offensive. Indes, ist das ein Bild, wie es eben ein Jahr nach einer Bundestagswahl so zu erwarten ist? Continue reading Ein Jahr nach der Wahl: Wie ist die Stimmung im Land?

Bundesversammlung 2010: Endgültige Zusammensetzung

Es ist vollbracht. Nach Losentscheiden, dem Bilden von ein paar Zählgemeinschaften (in Bremen eine Ampel!) und einer demographisch bedingten Korrektur steht die endgültige Zusammenfassung der Bundesversammlung fest. Grund genug, das Diagramm von damals zu aktualisieren – darüber hinaus gibt es jetzt auch noch eine PDF-Version (Download: Bundesvollersammlung).

Endgültige Zusammensetzung der Bundesvollversammlung
Die Bundesvollversammlung und wie sie sich zusammensetzt.

100 Tage Schwarzgelb (2): Der Vergleich mit den Vorgängerregierungen

In meiner Analyse zum gegenwärtigen Stand der neuen Regierungskoaltion in den Umfragen kündigte ich bereits an, einen Vergleich zu den drei Vorgängerregierungen zu ziehen, weil nur so die Frage beantwortet werden kann, ob der gegenwärtige Katzenjammer wirklich besonders schrecklich oder einfach nur das normale Erwachen ist. Um diese Analyse beherrschbar zu machen, stelle ich jeweils das einfache arithmetische Mittel der Parteien von Umfragen, die ca. 100 Tagen nach dem Regierungsantritt veröffentlicht worden, gegenüber.

Bitte dabei beachten: Der Befragungszeitraum fand naturgemäß etwas früher statt. Gegenüber meinem letzten Beitrag finden sich auf Wahlrecht.de schon neue Umfragen, die in die Betrachtungen natürlich schon mit eingeflossen sind.

Ich erspare die Myriaden von Tabellen (Ergebnisse sind in den Bildbeschreibungen (nicht Bildunterschriften) hinterlegt) und komme stattdessen gleich zu Beobachtungen und Schlussfolgerungen: Continue reading 100 Tage Schwarzgelb (2): Der Vergleich mit den Vorgängerregierungen

100 Tage Schwarzgelb: Das sagen die Umfragen

Gut drei Monate gibt die etablierte vierte Gewalt der frisch gewählten zweiten (zumindest ist das Exekutive bei mir) Zeit, bis die Berichterstattung die so beliebte Rückblickstonalität erhält. Endlich ist es möglich, einzuordnen, zu vergleichen, hundert Tage, das muss doch reichen! Und immerhin, einen Rücktritt samt kleiner Kabinettsumbildung, einen kleinen Spendenskandal und jede Menge Kabale hat es ja schon gegeben am Platz der Republik – nichts völlig Ungewöhnliches für den kompletten Neustart einer Regierung, aber doch alles andere als ein Traumstart.

Daher wundert es auch nicht, dass gegenwärtig mal wieder fast alle Umfrageinstitute frische Zahlen haben – und diese bedürfen natürlich einer Analyse!

En detail: So sehen die jüngsten Veröffentlichungen aus, Befragungszeitraum in der zweiten Januarhälfte (und Quelle wie immer das exzellente Wahlrecht.de).

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Überhangmandate und die Bundestagswahl 2009 (2)

Ob mit (innerer RIng) oder ohne (außen) Überhangmandate, das Mitte-Rechts-Bündnis verfügt über eine stabile Mehrheit.
Ob mit (innerer Ring) oder ohne (außen) Überhangmandate, das Mitte-Rechts-Bündnis verfügt über eine stabile Mehrheit.

Im Vorfeld der Bundestagswahl 2009 wurde viel darüber debattiert (auch von mir), ob bei einem knappen Ergebnis vielleicht Überhangmandate die Sitzverteilung kippen könnten. Sogar Klagen drohten etwa die Grünen (deren Mitglied ich bin) und die Linken in einem solchen Fall an. Nun, das Ergebnis war dann doch so eindeutig, dass es keiner Überhänge bedarf für den Regierungswechsel. Trotzdem ist es interessant, sich den Einfluss auf die Sitzverteilung anzuschauen.

Dafür vergleiche ich im Folgenden drei Werte:

  1. Den Zweitstimmenanteil der im Bundestag vertretenen Parteien – trivial.
  2. Den Sitzanteil, wenn allein die Zweitstimmen über die Sitzverteilung entscheiden würden, bei Berücksichtigung der Fünfprozenthürde. Erklärung: CDU, CSU, SPD, FDP, Grüne und Linke haben zusammen 94 Prozent der abgegeben, gültigen Zweitstimmen erhalten, die an 100 Prozent fehlenden Anteile werden proportional mit einem Faktor allen Parteien zugefügt. Der Rechenschritt: Spalte 1 mal (100/94). Käme zur Bundestagswahl ein reines Divisorverfahren zum Einsatz, sähe die Sitzverteilung so aus.
  3. Der tatsächliche Sitzanteil im Bundestag (genau, der Rechenweg ist Sitze der Partei geteilt durch Summe der Bundestagssitze).

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Klassenkampf 2009: Das neue Fünfparteiensystem

Es gibt im Rahmen einer Nachlese der Bundestagswahl (Endergebnis beim Bundeswahlleiter) einiges zu analysieren, und ich werde in den nächsten Tagen noch ein wenig die Tabellenkalkulation strapazieren. Indes, die vielleicht wichtigste änderung ist nicht das Fünfparteiensystem an und für sich, sondern die sich auflösenden Verhältnisse darin.

Die Volksparteien: Eine Reise in die Vergangenenheit

Nein, ich stelle nicht zum wiederholten Male die Frage, ob sich die SPD noch Volkspartei nennen darf, sondern ich stelle die grundsätzliche Klassifizierung in Frage. Kuchen und Krümel, das gilt kaum noch – und ich will die Analyse nicht auf die Momentaufnahme einer schwachen SPD und einer überstarken FDP reduzieren. Richtig ist: Mit ihrem Ergebnis ist die SPD näher an der FDP als an der Union. Richtig ist ebenfalls: Die Union hat das zweitschlechteste Ergebnis der Geschichte geholt, wenn man denn den Startschuss 1949 überhaupt mitzählen kann. Die Bonner und später Berliner Republik, wie sie sich in den Fünfziger Jahren formte, Unterschied klar: Continue reading Klassenkampf 2009: Das neue Fünfparteiensystem

Bundestagswahl 2009: Meine Prognose

Bei diesem Beitrag handelt es sich um meine Vorab-Vorhersage, die, positiv formuliert, für immerhin viereinhalb Parteien zutraf – aktuelle Hochrechnungen gibt’s bei der ARD.

Ich hatte ja schöne multivariate Analysen und dolle Simulationen für Überhangmandate versprochen. Tja, daraus wird leider nichts, stattdessen habe ich “nur” eine Prognose auf Basis aller bisherigen Analysen abzuliefern. Ich gebe dabei jeweils einen Korridor an, den ich für wahrscheinlich halte – und, der Einfachheit halber, einen “Wenn ich mich unbedingt festlegen muss”-Tipp. Continue reading Bundestagswahl 2009: Meine Prognose

Überhangmandate und die Bundestagswahl 2009 (1)

In den Blättern rauscht es derzeit intensivst: Schwarz-gelb könnte, geschuldet den Überhangmandaten, selbst bei fehlender Zweitstimmenmehrheit noch über die Majorität der Abgeordneten verfügen. Skandal, schreien die Einen, Wahlrecht halt, erwidert die Gegenseite. Das Bundesverfassungsgericht (und auch die Experten von Wahlrecht.de, ebenfalls fein: Beitrag in der Frankfurter Rundschau) haben das gegenwärtige Wahlrecht kritisiert (ersteres mit entsprechender verfassungsgegebener Kraft). Tatsächlich ist das kombinierte Verhältnis- und Mehrheitswahlrecht, was wir in Deutschland haben, weder besonders einfach noch paradoxienfrei.

Überhangmandate: Die Erklärung

Alle Kandidaten, die einen Wahlkreis direkt gewinnen (Erststimme), ziehen in den Bundestag ein, unabhängig von den Zweitstimmen. Wenn in einem Bundesland mehr Kandidaten via Erststimme ins Parlamant gelangen, als es mit der Zweitstimme der Fall gewesen wäre, bezeichnet man die Differenz als Überhangmandate. (Ich finde die gängigen: “Überhangmandate entstehen, wenn eine Partei mehr Direktmandate hat, als ihr via Zweitstimmenanteil zustünden…”-Erklärungen ein wenig umständlich.)

Ein praktisches Beispiel: Die SPD gewann in Hamburg 2005 alle sechs Wahlkreise direkt. Gemäß Zweitstimmenergebnis (38,7%) standen ihr fünf Hamburger Bundestagsabgeordnete zu. Der/die sechste im Bunde hat also das Etikett „Überhangmandat“. Continue reading Überhangmandate und die Bundestagswahl 2009 (1)

Was lässt sich aus Landtagswahlen ableiten?

Gerade während dieser Tage liest man häufig davon, dass die sonntäglichen Landtagswahlen in Sachsen (aktuelle Umfragen), Saarland (aktuelle Umfragen) und Thüringen (aktuelle Umfragen) die letzten großen Stimmungstests seien, dass günstige oder ungünstige Wahlergebnisse die eine oder andere Partei be- oder entflügeln könnten. Das klingt plausibel, denn oft haben Landtagswahlergebnissen zumindest eine bundespolitische Tönung.

Aber ist oft denn oft genug? Der folgende Beitrag analysiert, inwieweit die letzten im jeweiligen Jahr vor der Bundestagswahl durchgeführten Landtagswahlen tatsächlich ein Indikator für das spätere Abschneiden waren. Continue reading Was lässt sich aus Landtagswahlen ableiten?