Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern 2016: Ausgangslage und Umfragen

Dass ich diese Analysen jetzt schon ein paar Jahre mache und folglich nahezu jede Landtagswahl einen Vorgängerbeitrag hat, bringt Vor- und Nachteile mit sich. Nachteilig ist zum Beispiel, dass sich Trivia nicht guten Gewissens zweitverwerten lässt, so dass ich keinen Grund finde, zu erwähnen, dass die Schwerin die einzige Landeshauptstadt ohne Großstadt-Status ist.

Ein großer Vorteil hingegen: Der Wandel in der politischen Stimmung wird besonders klar, wenn ich alte Tabellenvorlage raushole und dabei merke, welche Anpassungen erforderlich sind. Dass es für die y-Achse bei den Umfragewerten keine Maximalgrenze von 40% mehr braucht. Dass Spalten, in denen die Zustimmung zu dereinst klassischen Koalitionen wie Rot-Grün oder Schwarz-Gelb summiert werden, nun wertfrei geworden sind.

Die vergangen Resultate

Dabei zeigt das am dünnsten besiedelten Bundesland (Trivia!) historisch einige Kontinuität. Seit 1998 ist die SPD stärkste Kraft, reagierte abwechselnd mit dem Linke-Vorgänger PDS und der Union. Für kleine Parteien war der Nordosten hingegen ein schwieriges Pflaster: Erst 2011 gelang den Grünen überhaupt der Einzug in den Landtag, die FDP schaffte dies nach 1990 nur 2006. Die NPD hingegen ist seit 2006 durchweg vertreten.

Ergebnisse der Landtagswahlen seit der Wiedervereinigung. Das Ergebnis für die Grünen 1990 bezieht sich auf die Summe mehrerer grüner Parteien/Vereinigungen - von denen jedoch keine einzige die Fünfprozenthürde nahm.
Ergebnisse der Landtagswahlen seit der Wiedervereinigung. Das Ergebnis für die Grünen 1990 bezieht sich auf die Summe mehrerer grüner Parteien/Vereinigungen – von denen jedoch keine einzige die Fünfprozenthürde nahm.

Umfragen und Unsicherheiten

Nachdem die AfD beim Landtagswahltriple im März zweimal die dritt- und einmal gar zweitstärkste Kraft geworden war, teilweise deutlich vor ihren Umfragewerten, erschien es für eine Weile möglich, dass die “Alternative” im Schweriner Landtag gar die größte Fraktion stellen würde.

Umfragen zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Alle Institute ohne besondere Gewichtung. Quelle: wahlrecht.de. Hinweis:
Umfragen zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Alle Institute ohne besondere Gewichtung. Quelle: wahlrecht.de. Hinweis: Die letzte Umfrage konnte die NPD nicht mehr statistisch messen, folglich fehlt dort der Kringel. Gleiches gilt für die FDP und die drittletzte Umfrage.

Die Gelegenheit schien günstig – aber doch kein Selbstläufer: Mecklenburg-Vorpommern hat, insbesondere in den Ost-Regionen, seit jeher ein Potenzial für Parteien nahe oder jenseits des rechten Randes und Protestparteien, wenn auch in den historischen Ergebnissen nie so ausgeprägt wie in Sachsen-Anhalt oder Sachsen. Die Regierung ist nicht als charisma-schwangere Supertruppe der besten Landesväter bekannt – aber auch nicht als streitsüchtige Skandalorchestratur wie etwa der Berliner Senat. War das Land früher Synonym mit dem letzten Platz in den meisten Listen zu Wohlstand und Wirtschaft, steht es nun unumstritten besser da.

In den Umfragen hat sich spätestens seit dem Fernsehduell eine klare Favoritenrolle für die SPD ergeben. Damit es der AfD gelingt, die Sozialdemokraten zu überholen, würden selbst Abweichungen wie in Sachsen-Anhalt nicht ausreichen. (Und es gibt zumindest ansatzweise Indikatoren für eine Anpassung in der Demoskopie nach den Märzwahlen.) Durchaus im Bereich des Möglichen ist hingegen eine weitere Zweitplatzierung – zum ersten Mal vor der Union.

Für die FDP bleiben die Neuen Bundesländer “ein schwieriges Pflaster“. Das muss die Ambitionen auf einen Wiedereinzug in den Bundestag nicht komplett zunichte machen, tut der Partei aber insgesamt nicht gut, weil es die Repräsentation als Vertreter der gesamten Bevölkerung erschwert. Für die Grünen könnte heute Abend eine kurze Phase zu Ende gehen, in der sie in allen Landtagen der Republik vertreten waren.

Und schließlich: Es sieht so aus, als ob die NPD aus dem letzten Landesparlament fliegen wird.

Offenlegung: Ich war von 2002 bis 2009 Mitglied der FDP. Ich bin seit 2009 Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen.

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