Monthly Archives: November 2015

Was wäre wenn? Weimarer Republik mit Fünfprozenthürde (10): Zusammenfassung

In den vergangenen neun Beiträgen dieser Reihe wurde jede Reichstagswahl sowie jene zur verfassunggebenden Nationalversammlung dahingehend untersucht, inwieweit etwaige Quorenregelungen beim Wahlrecht, also einen Fünfprozenthürde in unterschiedlicher Strenge, Änderungen an der Sitzverteilung ergeben hätten, die demokratische Mehrheiten stabilisiert hätten.

Die nachfolgende Tabelle führt alle betrachteten Wahlen auf (verlinkt zum jeweiligen Beitrag) sowie die dabei entstehenden sowie hypothetischen alternativen Mehrheiten bei Quorenregelungen. Verwendete Abkürzungen: WK = Weimarer Koalition (SPD, DDP, Zentrum), WK+ (Weimarer Koalition mit BVP), GK = Große Koalition (SPD, DDP, Zentrum, BVP, DVP), MB = Mittelstandsblock (DDP, Zentrum, DVP), BB = Bürgerblock (DDP, Zentrum, DVP, DNVP), RB = Rechtsbürgerblock (Zentrum, DNVP, NSDAP), VB = Völkischer Block (DNVP, NSDAP). * an einer gebildeten Regierung deutet auf eine Minderheitsregierung hin. Continue reading Was wäre wenn? Weimarer Republik mit Fünfprozenthürde (10): Zusammenfassung

Was wäre wenn? Weimarer Republik mit Fünfprozenthürde (9): Reichstagswahl 1933

Im Im März 1933 standen zum letzten Mal mehrere Parteien auf dem Wahlzettel, als demokratisches Umfeld lässt sich der Zeitraum dennoch kaum beschreiben. Die Nationalsozialisten waren bereits an der Macht, Hitler Reichskanzler, Kommunisten infolge einer Notverordnung anlässlich des Reichstagbrandes in den Untergrund gedrängt. Die Geschichte macht nun bekanntermaßen keinen Asterix-artigen Bogen, sondern gibt NSDAP und den deutschnationalen Gruppen eine parlamentarische Mehrheit.

An dieser Stelle noch über Quorensysteme zu diskutieren, ist ein wenig wie die Sorge, ob im Kühlschrank abgelaufene Lebensmittel sein könnten, während das Haus abbrennt. Dennoch verdeutlicht die Betrachtung der Ergebnisse noch ein paar Aspekte der untergehenden Republik: Continue reading Was wäre wenn? Weimarer Republik mit Fünfprozenthürde (9): Reichstagswahl 1933

Was wäre wenn? Weimarer Republik mit Fünfprozenthürde (8): Reichstagswahl November 1932

Die vorletzte Wahl der Zwischenkriegszeit mit mehr als einer Partei auf dem Zettel, die letzte Wahl, die sich auch ohne Sternchentext in Telefonvertragslänge als demokratisch bezeichnen lässt, führt noch einmal allzu deutlich vor, dass ein Quorum auf keiner überschaubaren Liste der drängendsten Probleme der Weimarer Republik auftauchte. Das Ergebnis zeigte zum Einen eine leicht nachlassende Stimmung für die NSDAP, als mögliche Entwicklung sogar eine Zustimmung der regierungstragenden (wenn auch weiter radikalen) Deutschnationalen und beileibe keine Zersplitterung der Parteien.

Kein halbes Jahr später wurde Hitler zum Reichskanzler ernannt – trotz einer geschrumpften Reichstagsfraktion. Spätestens an dieser Stelle wird deutlich, dass systemische wie politische Unfassbarkeiten den Untergang einläuteten. Zunächst ein kurzer Blick auf das Ergebnis: Continue reading Was wäre wenn? Weimarer Republik mit Fünfprozenthürde (8): Reichstagswahl November 1932

Die „Caesar 2“-Titelmusik

Nachfolgend der Verfasser dieses Blogs in Bild und Ton mit der Wiedergabe eines kurzen Stückes, namentlich des Menü-Themas zu Caesar 2, einem Aufbaustrategiespiel aus dem Jahre 1997. Das Stück (hier das PDF) selbst ist relativ kurz und unspektakulär – der weißbärtige Kalauer, dass nach dem Erlernen des dritten Akkords der nächste Schritt die erste Single ist, trifft hier zu.

 

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Was wäre wenn? Weimarer Republik mit Fünfprozenthürde (7): Reichstagswahl Juli 1932

Wer im Schulunterricht ein wenig Wachzeit verbracht hat, braucht für diesen und die nächsten Beiträge keine Spoilerwarnung. Auch die Untersuchung der zentralen Fragestellung dieser Reihe – was für eine Änderung hätte ein Quorensystem, wie es das heutige bundesdeutsche Wahlrecht kennt, gebracht – scheint ab jetzt wenig sinnstiftend. Dennoch kann das Ergebnis und das Umfeld seines Zustandekommens genutzt werden, um einmal mehr über die Grundsätzlichkeit dieser Fragestellung zu diskutieren.

Ergebnis

Zunächst einmal zum ersten zweifelsfrei in der Mehrheit antirepublikanischen Parlament der Weimarer Republik: Continue reading Was wäre wenn? Weimarer Republik mit Fünfprozenthürde (7): Reichstagswahl Juli 1932

Was wäre, wenn? Weimarer Republik mit Fünfprozenthürde (6): Reichstagswahl 1930

Soweit das bei einer Betrachtung kontrafaktischer Geschichte überhaupt möglich ist, kamen die meisten der vergangenen Analysen in dieser Reihe zu dem Schluss, dass dem Wahlsystem der Weimarer Republik keine wesentliche Schuld an den instabilen politischen Verhältnissen gegeben werden kann. Zu groß waren äußere politische wie wirtschaftliche Einflüsse oder andere systemische Mechanismen wie die Rolle des Reichspräsidenten im Vergleich zu den oft nur marginalen Änderungen, die sich bei hypothetischen Quorenregelungen ergeben hätten.

Diese Betrachtung hält auch für das zumeist herangezogene Beispiel der Reichstagswahl 1928 stand. Hier gab es zwar in der Tat ein großes Tortenstück sonstiger Parteien, aber die zustande kommende Große Koalition von SPD bis DVP war mathematisch über dem Notwendigen, sondern politisch aufgrund der Stahlkraft Stresemanns gewünscht. Und als sie zerbrach, hätte es durchaus eine Möglichkeit gegeben, von SPD bis BVP zu koalieren, nur unterband Reichspräsident Hindenburg diese Koalition, indem er Brüning den Auftrag zur Regierungsbildung erteilte. Es war also das politische System, nicht das Wahlverfahren, dass den Übergang zu den Präsidialkabinetten einleitete. Continue reading Was wäre, wenn? Weimarer Republik mit Fünfprozenthürde (6): Reichstagswahl 1930