Monthly Archives: December 2014

This War Of Mine

Die Leiden der Zivilbevölkerung im Krieg sind heutzutage nichts, was von Medien ausgeblendet wird. Ob im historischen Kontext – die Verwüstung ganzer Landstriche im Dreißigjährigen Krieg, die dem Verstand unzugängliche Vernarbung Osteuropas im Zweiten Weltkrieges – oder gegenwärtig bei den Konflikten im Nahen Osten, die Auswirkungen eines Krieges auf Unbeteiligte ist allgegenwärtig, in Nachrichten wie in Filmen.

Das heißt nicht, dass hier kein Verbesserungspotenzial besteht und natürlich erst recht nicht, dass auf politischer Ebene adäquat vorgegangen wird; das Bewusstseinsproblem zieht sich dabei von mangelnden Versuchen, die Zivilbevölkerung zu schützen, bis zu ungenügendem Verständnis für Flüchtlinge aus Kriegsgebieten.

Jedoch: Computerspiele mit realistischem Anlitz haben selten die Rolle der Zivilbevölkerung in Kriegen zum eigentlichen Thema. Viele Titel finden auf einem quasi-gesellschaftsfreiem Schachbrett statt. Andere stellen Zivilisten als bestenfalls dekorative Elemente dar. Selbst diejenigen, in denen Auswirkungen auf die Gesellschaft dargestellt werden, tun das nicht aus deren Perspektive, sondern aus der der umherstreifenden Soldaten. Der völlige Blickwinkelwechsel, den This War Of Mine vollzieht, ist zumindest nach meinem Wissensschatz ein Novum. Deswegen hatte ich mich seit dem Ankündigungstrailer auf das Spiel gefreut.

Das Gegenteil der Sims

Bereits in den ersten Spielminuten wird vielleicht etwas überraschend klar, dass TWOM nicht die Antithese zu Call of Duty ist, sondern zu den Sims, spielerisch wie narrativ. TWOM spielt in einer für lange Zeit umkämpfte Stadt ist mit wechselnden Frontlinien, aber konstantem Bedrohungsszenario im Hintergrund (angelehnt an Sarajevo), nicht einer rapide zusammenfallenden letzten Bastion, wie es etwa Berlin im Zweiten Weltkrieg gewesen wäre. Continue reading This War Of Mine

Eichhörnchentum

Es begann mit einem Artikel in der New York Times über die beinahe beängstigende Intelligenz von Eichhörnchen zum Beispiel im Straßenverkehr. Vier Jahre ist das her, und seither wurde eine Idee immer weiter entwickelt: Menschen sind formal gesehen autarke bipedale Primaten, aber eigentlich nur Hohlkörper wie bei Pacific Rim, in denen Eichhörnchen ihre Arbeit und ein großes Experiment verrichten.

Wenn Dinge aus menschlicher Sicht nicht funktionieren, liegt das meistens an einem Problem der Maschinerie oder daran, dass der Support mal wieder eher mit dem Verkauf teurer Zusatzpakete beschäftigt ist. Die Nagetiere wählen aus einem Multiple-Choice-Menü Antworten in Konversationen aus und können Punkte auf die Charakterentwicklung verteilen.

Einmal im Jahr wird eine ganz besondere Herausforderung daraus, nämlich beim Familienessen zu Weihnachten. Das ist der Gegenstand der ersten Geschichte drüben auf tailsinmyhead.com: And So This is Christmas.

Und dann kam auch noch Pech dazu: die Wahlreihenfolge als FDP-Dilemma

Keine neue Erkenntnis: 2014 ist es der AfD gelungen, in drei Landesparlamente einzuziehen: Sachsen, Brandenburg, Thüringen. Selbst mäßigen Hobby-Sherlocks fällt die Gemeinsamkeit der drei Länder sofort auf: ostdeutsche Flächenländer, noch dazu nicht die nach die Wirtschaftskennziffern erfolgreicheren darunter. Zum Anderen: Es sind genau die drei Bundesländern, in denen die AfD bei der Bundestagswahl 2013 ihr stärksten Ergebnisse erzielte (Sachsen: 6,8%, Thüringen: 6,2%, Brandenburg: 6,0%).

Natürlich ist das keine Alleinerklärung für die späteren Erfolge (das Ergebnis in Brandenburg etwa war ja das Beste), aber es zeigt, dass die Termine für die Partei gut lagen, um eine Erfolgsgeschichte zu schreiben.

Traditionell schwache FDP-Länder in Serie

Für die Liberalen hingegen traf das genaue Gegenteil zu, nur in Mecklenburg-Vorpommern hatten sie bei der Bundestagswahl ein schlechteres Ergebnis erzielt als in Brandenburg, Sachsen und Thüringen waren ihr viert- respektive fünftschwächstes Bundesland.

Nun gibt es zwischen Bundes- und Landtagswahlergebnissen keineswegs einen völligen Automatismus:

  • die SPD etwa ist in Brandenburg bei Landtagswahlen die Nummer Eins, bei bundesweiten Abstimmungen zankt sie sich mit der Linken um Platz zwei nach Union
  • die FDP erhält in Bayern meistens über 5 Prozent bei Landtagswahlen, sieht auf Landesebene jedoch nur in Ausnahmefällen Land

Doch selbst unter günstigen Umständen sind die Neuen Bundesländer für die FDP keineswegs eine sichere Bank:

  • in Brandenburg und Thüringen kamen sie nur in den Wiedervereinigungswahlen 1990 und zur FDP-Hoch-Zeit 2009 in den Landtag,
  • in Sachsen immerhin noch 2004, aber auch das entspricht gerade einmal der Hälfte aller Wahlen.

Im Sog der 2013-Katastrophe taten sie im Thomas-Dehler-Haus gut daran, erst gar keinen Sekt zu bestellen. Continue reading Und dann kam auch noch Pech dazu: die Wahlreihenfolge als FDP-Dilemma

Alle bunt, außer Bayern: Der Bundesrat Ende 2014

Die Bilder, die ich in diesen Beiträgen einfüge, sind mit einem (hoffentlich demnächst wirklich öffentlich verfügbaren) Skript von mir erstellt, das sich die Wahltermine und -ergebnisse holt, verarbeitet und dann eben grafisch respektive tabellarisch aufbereitet. Beim Verfassen dieses Beitrages jedoch fiel mir ein Bug auf: der Wert für die Regierungsbeteiligungen (den gebe ich hier meistens nur im Text dazu) der SPD wurde nicht gezeigt.

Nach etwas vergleichsweise flucharmen Debugging stellte sich heraus: Es lag daran, dass ich früher als Kontrollwert “14” eingetragen hatte, in der damals sicher geglaubten Annahme, dass keine Partei jemals so viele Beteiligungen haben würde. Und jetzt ist es soweit: Die Sozialdemokraten sitzen in allen Kabinettstischen außerhalb Wiesbadens und Münchens. Selbst die Grünen kommen nach dem Beginn der ersten Rot-rot-grünen Landesregierung auf mehr Beteiligungen als die Union.

Der Bundesrat Ende 2014
Gegenwärtige Situation im Bundesrat, wobei Länder links geographisch, im Halbkreis rechts nach Stimmanteilen geordnet sind.

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