Fernstudium an der University of Liverpool: Die Masterarbeit

Was bei der Open University im Bachelor-Studiengang nicht erforderlich war, ist bei allen Musterstudiengängen (auch an der OpenU) meist unabdingbar: Das Verfassen einer größeren Arbeit, mit welcher das Studium abgeschlossen wird. Diese ist auch der Grund, dass es hier im Blog in letzter Zeit so ruhig war. Ich bin augenblicklich noch mittendrin im Kreieren von Code und Text, aber dennoch lassen sich einige allgemeine wie persönliche Betrachtungen zum Verfahren ziehen.

Der Gegensatz zum normalen Kursalltag

Die Quintessenz: Eine Masterarbeit im Fernstudium ist viel, viel herausfordernder als alles andere, was ich in den letzten fünf Jahren zu erledigen hatte. Obwohl ich mit dem Fernstudienmodus an und für sich super klar kam (das war noch einfacher, als ich täglich Berlin-Hamburg pendelte, aber grundsätzlich immer machbar), und obwohl mir das Verfassen von längeren Arbeiten sehr liegt (die Abschlussarbeit im Mythologie-Kurs A330 etwa war wesentlich für mein recht akzeptables B.A.-Gesamtergebnis verantwortlich), tue ich mich mit dem Fortschritt deutlich schwerer.

An der Organisationsform der Masterarbeit wird klar, dass sich die Universität dieser Schwierigkeit bewusst ist, aber die wesentliche Schwierigkeit lässt sich dabei nicht ausblenden – die Kombination aus der erzwungenen Nebensächlichkeit eines Fernstudiums und der natürlich gewollten akademischen Eigenständigkeit einer Abschlussarbeit. Was meine ich damit? In jedem anderen Kurs, sowohl bei der Open University als auch bei der University of Liverpool, gibt es eine feste Struktur, gibt es Deadlines, Lesematerial, Aufträge, zu erledigendes Pensum. Wie strikt das genau ist, variiert ein wenig von Kurs zu Kurs und Hochschule zu Hochschule, mit einem fast auf den Tag durchgetakteten Rhythmus im Liverpool-Online-Forum und teilweise zweimonatigen Abgabezeiträumen in den längeren OpenU-Kursen. Doch die grundsätzliche Anforderung bleibt: Das ist bis dann und dann zu erledigen, das Material steht dir zur Verfügung, jetzt sieh zu, dass es fertig wird. Und dass es gut wird.

Richtigerweise ist das bei einer Masterarbeit genau anders: Thema selbst aussuchen, beantragen, Literatur selber sichten, einordnen, Studie (in meinem Fall ein Programm) selbst konzipieren und durchführen – und dann neun Monate später einreichen. Es ließe sich kaum ein größerer Gegensatz zum Kursprogramm konstatieren, wenn mensch es wollte!

(Das ist beileibe keine Kritik daran, im Gegenteil. Bestenfalls ließe sich anmerken, dass größere autark zu bewerkstelligende Arbeiten in den Kursen häufiger vorkommen sollte, die Alibi-drei-Wochen-Gruppen-Projekte sind jedenfalls kein Vergleich. Grundsätzlich muss eine Masterarbeit natürlich genauso entstehen, schließlich ist das eigenständige Verfassen wissenschaftlicher Arbeit ein Zeichen vom, nun ja, Meistern eines Fachgebietes.)

Was die University of Liverpool tut

Wie immer bewirft das Fernstudium an der University of Liverpool das Problem erst einmal mit einem Vorbereitungskurs. In diesem wurden noch einmal Zitierregeln behandelt und diskutiert, Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens sowie die Definition einer Forschungsleistung. Alles richtig, alles wichtig, nur leider überhaupt keine zentrale Schwierigkeit mehr: Wer es bis hierhin geschafft hat (zum Vorbereitungskurs geht es erst nach Bestehen aller Kurse), die/den sollte weder das Erstellen einer Biographie noch der Aufbau eines Papers vor ernsthafte Probleme stellen. Die Hürde beim Verfassen einer Masterarbeit ist nicht primär eine intellektuelle, wenn Universität und Studierende bis dato ihren Job gemacht haben.

Nach diesem Einführungskurs öffnet sich ein weiterer Kurs mit der jeweiligen Betreuerin/dem jeweiligen Betreuer. Alle Kommunikation erfolgt dabei über das Forum. Zwischenstände beim Antrag, die Design-Spezifikation, all das wird hochgeladen und diskutiert. An vier Zeitpunkten im Verlauf der Masterarbeit muss ein Dokument zum Zeichen des Fortschritts hochgeladen werden. Die Universität ist sich also darüber im Klaren, dass die Studierenden hier abgeholt werden müssen. Trotzdem ist an dieser Stelle deutlich, dass die Kommunikation weit mehr Initiative erfordert als zum Beispiel zu Beginn mit dem quirligen Student Support Advisor, der auf jede nicht in zwei Tagen beantwortete Email nachhakt.

Wie gesagt, all das ergibt Sinn. Es lässt sich erwarten, dass jemand mit MSc-Hoffnung regelmäßig ein Forum checkt, kontinuierlich an einem langfristigen Projekt arbeitet und eben so selbst eine größere Arbeit erstellt. Es wäre völlig fatal, an dieser Stelle eine Art kumulative Masterarbeit einzuführen.

Nur nützt diese Erkenntnis wenig. Denn wie oben erwähnt, macht der vergleichsweise rigorose Kursalltag es leicht, innerhalb der gefüllten Woche Zeitslots zu buchen und wahrzunehmen. Muss ja. Für dieses Ding, was irgendwann im Dezember/Januar fertig sein muss, sieht die Sache halt anders aus.

9 thoughts on “Fernstudium an der University of Liverpool: Die Masterarbeit

  1. Das beschränkt sich tatsächlich nicht auf Fernunis. Vor der Diplomarbeit (bei mir 1 1/2 Jahre *hust* *hust*) gab es lediglich eine kleine Semesterarbeit, welche kaum mehr als die Grundlagen von Latex vermitteln konnte. Eine kumulative Arbeit kommt nicht infrage, weil es ja gerade darum geht, zu zeigen, dass man ein eigenständiges größeres Projekt umsetzten kann.

  2. Hey, was macht die Masterarbeit. Du müsstest ja eigentlich schon längst fertig sein. Berichte mal, ich bin interessiert da mehr zu erfahren. 😉

    1. Sei dir sicher, sobald ich das Resultat habe, werde ich hier einen entsprechenden Abschlussbeitrag verfassen. Allein, bis dato sehe ich nur die Information im System, dass die Arbeit eingegangen ist vor nunmehr 130 Tagen und zumindest von einer Person bereits bewertet wurde; diese Bewertung ist aber noch nicht vom Prüfungsausschussäquivalent abgenickt, dementsprechend noch nicht durchgesickert. Soll aber noch im Mai sein, sagen sie. Einstweilen bleibt mir nichts anderes übrig, als mehrfach täglich meine dortige Inbox zu überprüfen.

  3. 130 Tage wartest du schon?!? Ich meine, dass man für die Bewertung einer Masterarbeit vielleicht mehr als vier Wochen (also ca. 30 Tage) benötigt, leuchtet mir ja ein. Aber 130 Tage? Ist das so üblich? Sind ja über 4 Monate…

    1. Habe jetzt einmal mit dem Support gesprochen. Die Prüfungskommission trifft sich diese Woche (gut), bis zum finalen Eintragen und Kommunzieren der Noten vergehen dann aber noch einige Wochen (schlecht) – Anfang/Mitte Juni wurde mir als Zeithorizont in Aussicht gestellt.

      1. Hi,

        herzlichen Glückwunsch zum bestandenen Abschluss. Bin selbst gerade mitten im Studium und muss sagen das dieser Blog hier wirklich eine große u. a. Entscheidungshilfe war.

        Vielleicht kannst Du in diesem Zusammenhang noch ein paar unklarheiten aufdecken.

        – Wie viele Worte hatte Deinen Masterarbeit letztlich?
        – Bei der Graduierung der einzelnen Module erfolgt ja der Grade erst einmal provisional. Ist es bei Dir schon einbmal zu abzügen im finalen Grade gekommen?
        – Ist der Bewertungsmaßstaab für das Bewerten der Masterarbeit der selbe oder eher härter als der für die Module?
        – Sind die 9 Monate wirklich notwendig für die Masterarbeit. Wäre es denkbar diese auch in 3 Monaten zu schreiben und abzugeben? Oder gibt es Regeln die das verbieten?
        – Hast Du die Arbeit korrekturlesen lassen?

        Vielen Dank für Deine Hilfe und liebe Grüße

        Alex

        1. Hallo Alex,

          danke für die zahlreichen Fragen, ich Antworte mal drauflos.

          • Mit Anhängen bin ich bei gut 18.000 Wörtern gelandet.
          • Bisher wurde noch keine einzige provisorische Note bei mir in eine Richtung verändert.
          • Ich empfand den Bewertungsmaßstab etwas strenger, allein, weil es keine reinen Fleißmodule wie die wöchentliche Beteiligung gibt. Aber kein kompletter Sinneswandel, die Schwierigkeit liegt eher in dem langen Atem, den eins selbst haben muss dafür.
          • Ich habe nicht gefragt, ob die Masterarbeit schneller geschrieben werden kann. Allerdings wollte ich ursprünglich etwas eher damit anfangen und das ging nicht.
          • Tatsächlich liest der/die Dissertation Advisor die Arbeit schon im Vorfeld und gibt Hinweise.
          1. Wow,

            vielen Dank für die schnelle Antwort. Ich fragte, weil die angegebenen 36 Monate, im Verhältnis zu anderen Mastern, doch sehr lang sind. Ich habe gehofft, durch ein eventuelles verkürzen der 9 Monate auf 3-4 etwas eher fertig zu sein.

            Wie war eigentlich so der generelle Schnitt deiner Modul noten? (So grob).

            Ich muss sagen ich komme nur sehr selten über 60 Punkte. Deshalb mache ich mir etwas Sorgen bzgl. der Thesis.

            Nochmals veieln Dank für den tollen Blogg!

          2. Ja, ich hatte mir auch gewünscht, dass es etwas schneller geht, aber da letztlich keine Kompressionsmöglichkeiten gefunden. Wobei es auch so genug Arbeit war.

            Der Schnitt meiner Noten hat für eine Distinction (ab 74) ausgereicht, in den einzelnen Kursen auch meist im 70er-Umfeld.

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