Monthly Archives: September 2013

Bundestagswahl 2013: Kurz und bündig

In weniger als achtzehn Stunden vom Publikationsdatum dieses Beitrages aus ist es soweit. Wahllokale schließen, ggf. mit den letzten hektisch gefertigten Kreuzen unterm eifrigen “Nu aber hinne” der Wahlleiterin, und Jörg Schönenborn lässt die Balkendiagramme über die Bildschirme rauschen. Niederlagen werden eingestanden mit dem üblichen Sprachgebrauch, zunächst das Ergebnis abzuwarten und dann in Ruhe zu analysieren. Siege werden bestätigt aber erst einmal befeiert, ehe es an konkrete politische Fragen geht. Und ähnlich wie 2002 kann es für einige eine sehr, sehr lange Nacht werden.

Ich habe dieses Jahr keine große Vorabberichterstattung betrieben wie 2009. Zum Einen, weil die Zeit leider sehr knapp war, auch wegen der anstehenden Masterarbeit. Zum Anderen, weil viele meiner üblichen Betrachtungen – Umfragenzuverlässigkeit, Ergebniskorridore – an anderer Stelle bereits gemacht wurden. Daher beschränke ich mich auf eine Linkauswahl: Continue reading Bundestagswahl 2013: Kurz und bündig

Landtagswahlen in Hessen 2013 (1): Ausgangslage, Besonderheiten, Umfragewerte

1998 und 2002 war es Mecklenburg-Vorpommern, 2009 Schleswig-Holstein, dieses Jahr trifft es ein Bindestrich-freies Bundesland: Landtagswahlen am gleichen Tag wie der Rest der Republik. Läuft das auf ein Ergebnisduplikat bei beiden Wahlen heraus? Mitnichten. Hat es einen Einfluss? Sicher – Horst Seehofer und das gesamte CSU-Team taten aus ihrer Sicht gut daran, keine synchrone Abstimmung durchzuführen. (Aus Sicht des Landeshaushaltes ist das natürlich anders.) Continue reading Landtagswahlen in Hessen 2013 (1): Ausgangslage, Besonderheiten, Umfragewerte

Landtagswahlen in Bayern 2013 (2): Schlussfolgerungen für die Bundestagswahl, nautikmetaphernfrei

Schnelle Links: Landeswahlleiter Bayern, Ergebnis bei Wahlrecht.de.

Wie ich bereits in meinem Beitrag vor einigen Tagen erläuterte, stehe ich der generellen These, dass von einer Landtagswahl in Bayern sehr viel Signalwirkung ausgeht, grundsätzlich kritisch gegenüber. Zu gegensätzlich sind wirtschaftliche, demographische und nicht zuletzt parteipolitische Verhältnisse. Dementsprechend ist das Gefüge insbesondere für die großen Parteien seither unverändert, selbst das FDP-Ergebnis ist bestenfalls lauwarmes Kontrastprogramm zur Niedersachsen-Logik, weil traditionell Bundes- und Landesergebnis für die Liberalen stark divergieren. Wobei die Liberalen jetzt mit zwei Regierungsbeteiligungen wieder auf dem historischen Tiefstand sind.

Gegenwärtige Situation im Bundesrat, wobei Länder links geographisch, im Halbkreis rechts nach Stimmanteilen geordnet sind.

Schwieriger sieht es hingegen für die Grünen aus, die zum erst zweiten Mal seit fünf Jahren bei einer Landtagswahl überhaupt Stimmanteile (wenn auch nicht absolute Stimmen) verloren haben, zumal sich das Resultat diesmal nicht mit lokalen Quängeleien wie 2012 im Saarland erklären lässt. Die Linke bleibt in westdeutschen Flächenländern überwiegend bedeutungslos, stürzt von ihren viereinhalb Prozent 2008 auf ein Ergebnis, wie es für früher für die PDS zu erwarten gewesen wäre. Continue reading Landtagswahlen in Bayern 2013 (2): Schlussfolgerungen für die Bundestagswahl, nautikmetaphernfrei

Fernstudium an der University of Liverpool: Die Masterarbeit

Was bei der Open University im Bachelor-Studiengang nicht erforderlich war, ist bei allen Musterstudiengängen (auch an der OpenU) meist unabdingbar: Das Verfassen einer größeren Arbeit, mit welcher das Studium abgeschlossen wird. Diese ist auch der Grund, dass es hier im Blog in letzter Zeit so ruhig war. Ich bin augenblicklich noch mittendrin im Kreieren von Code und Text, aber dennoch lassen sich einige allgemeine wie persönliche Betrachtungen zum Verfahren ziehen.

Der Gegensatz zum normalen Kursalltag

Die Quintessenz: Eine Masterarbeit im Fernstudium ist viel, viel herausfordernder als alles andere, was ich in den letzten fünf Jahren zu erledigen hatte. Obwohl ich mit dem Fernstudienmodus an und für sich super klar kam (das war noch einfacher, als ich täglich Berlin-Hamburg pendelte, aber grundsätzlich immer machbar), und obwohl mir das Verfassen von längeren Arbeiten sehr liegt (die Abschlussarbeit im Mythologie-Kurs A330 etwa war wesentlich für mein recht akzeptables B.A.-Gesamtergebnis verantwortlich), tue ich mich mit dem Fortschritt deutlich schwerer. Continue reading Fernstudium an der University of Liverpool: Die Masterarbeit

Landtagswahlen in Bayern 2013 (1): Ausgangslage, Bedeutung für den Bund, Umfragen

Von einem wichtigen Stimmungstest spricht Das Parlament-Autor Götz Hausding und meint dabei die Landtagswahl in Bayern an diesem Sonntag. Neben dem Superwahljahr ist der Stimmungstest feste Institution im Vokabelheft der Wahlberichterstattung, aber jenseits rein stilstischer Abnutzungserscheinungen stellt sich die wichtige Frage: Ist das überhaupt so, wenn in nunmehr fünf Tagen gewählt und gezählt wird? Kurzfassung: Nein. Continue reading Landtagswahlen in Bayern 2013 (1): Ausgangslage, Bedeutung für den Bund, Umfragen

Zur Kritik an der Demoskopie

Bevor ich mich die Berichterstattung zu den ins Haus stehenden Landtags- und Bundestagswahlen beginne, möchte ich noch einmal meine Gedanken zu einer oft geäußerten Kritik der letzten Jahre verfassen: Dass auf die Demoskopie eh kein Verlass sei, dass sie sich immer am Wahltag als an der Realität vorbeigehende Scharlatanerie entpuppe. (Der Aspekt, inwieweit sie als Herrschaftsinstrument genutzt werden, ist ein anderer und außerhalb dieser Betrachtung.)

Das ist eine per se berechtige Wahrnehmung, die sich natürlich immer nach einer besonders krassen gemeinsamen Fehleinschätzung einstellt. Der überraschende Triumph der FDP in Niedersachsen, der Blitzeinzug der Piraten ins Berliner Abgeordnetenhaus, nicht zuletzt natürlich das deutlich-unter-40-Ergebnis der CDU/CSU 2005. Alles richtig. Dennoch glaube ich, ist es mindestens zu vereinfachend, wenn nicht irreführend, die Demoskopie an und für sich von der Bühne reden zu wollen.

Der Faktor Zeit

Richtig ist, dass es zahlreiche Faktoren gibt, welche die Zuverlässigkeit der veröffentlichten Zahlen beeinträchtigen. Der wichtigste: Zeit. Je nach Institut dauert die Befragung etliche Tage bis eine Woche, die eigentliche Veröffentlichung ist noch etwas später. So können zwischen einem signifikanten Teil der Befragungsstichprobe und dem Tag der Veröffentlichung auch mal zehn Tage liegen. Zehn Tage, in denen die Elbe über die Ufer treten, die USA die Kriegsrasseln schütteln oder Rainer Brüderle den Mund aufmachen kann. Continue reading Zur Kritik an der Demoskopie