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Kochkurs im Kochhaus – ein Erfahrungsbericht

Zu einem der bemerkenswerten Gentrifizierungsfeatures von Prenzlauer Berg zählt der damit einhergehende Strukturwandel im Einzelhandel. Offensichtliche Neuzugänge sind alle möglichen Läden, in denen man Kaffeegetränke in Pappbechern oder Biokram in Papiertüten heraustragen kann. Ein weiteres Beispiel lässt sich seit einiger Zeit an der Eberswalder Straße beobachten. Genau an jener gemeingefärlichen Kreuzung mit drei Straßenbahnlinien hat sich im spitzen Winkel der Pappelalllee der ehemalige Rossmann verabschiedet und dafür einem Kochhaus Platz gemacht.

Kochhaus, das „begehbare Rezeptbuch“, legt im Nahrungsmitteleinzelhandel den Schwerpunkt klar auf Usability bei reduziertem Funktionsumfang: Angeboten werden nicht einfach Produkte im Regal (abgesehen von etwas Wein-, Pesto- und Brotaufstrichauswahl), sondern jeweils wechselnde Rezepte, für die meist alle Zutaten direkt in exakt der nötigen Dosierung zur Hand stehen.

Kurz gesagt: Ein großartiges Konzept: Das lange Suchen nach der ein oder anderen exotischen Zutat in Rezepten entfällt, ebenso die Frage, was nun mit dem Rest der 500-Gramm-Packung Exoticum für die nächsten Jahre geschehen soll. Auch der Auswahlprozess für das Rezept geschieht eben direkt vor Ort und erlaubt es, das so verbindende gemeinsame Kochen zu erleben, ohne die weniger annehmlichen Komponenten daran. Für Kochhaus wiederum liegt der Vorteil in einer auf die tatsächliche Menge der Nahrungsmittel höheren Marge und natürlich in einer allgemeinen Kundschaft, die für Nahrungsmittel grundsätzlich angemessene Preise zu zahlen bereit ist. Continue reading Kochkurs im Kochhaus – ein Erfahrungsbericht