Abgeordnetenhauswahlen in Berlin 2011 (2): Vergangene Wahlen in Berlin

Die heutige Ausgabe des hiesigen Demoskopie-Warmups widmet sich nach der Rekapitulation der letzten Abgeordnetenhauswahlen der Fragestellung, inwieweit die jüngste Abgeordnetenhauswahl mit anderen Abstimmungen in Berlin übereinstimmt – oder eben nicht. Zeigt sich ein besonderer Bonus oder Malus – und wie stimmen die Berliner überhaupt im Verhältnis zum Rest der Republik?

Das Ergebnis dürfte wenig überraschen: Berlin ist für CDU kein gutes Pflaster, dafür profitieren PDS/Linke, Grüne – und die SPD ist bei bundesweiten Abstimmungen zumeist in einer weit weniger komfortablen Situation als im derzeitigen Wahlkampf. Zunächst einmal die Grafik der sechs letzten Berlin-weiten Wahlen, also seit dem Bruch der Großen Koalition.

Die letzten Wahlen - nicht nur fürs Abgeordnetenhaus - und ihr Ergebnis in Berlin.
Die letzten Wahlen - nicht nur fürs Abgeordnetenhaus - und ihr Ergebnis in Berlin.

Einige Feststellungen dazu:

  • die SPD war insgesamt dreimal stärkste Fraktion, davon zweimal bei Abgeordnetenhauswahlen, ein klares Indiz dafür, dass ihre Wähler klar zwischen Landes- und Bundes-/Europa-Politik unterscheiden und sie bei Abgeordnetenhauswahlen (wenig überraschend) die meisten Sympathien hat
  • insgesamt liefern sich die vier Parteien (außer, trotz ihres respektablen 2009-Resultates, der FDP) ein durchaus enges Gefecht und nähern sich stark an – bei der Bundestagswahl trennten CDU (Platz 1) und Grüne (Platz 4) nur 5,4 Prozentpunkte; im Gegenzug gab es bei vier der letzten sechs Wahlen keine Partei, die 30% der Stimmen einsammeln konnte

Rein statistisch sind Grüne und SPD am volatilsten, ihre Standardabweichungen (also das statistische Maß für die Streuung) liegen mit knapp sechs respektive sieben Prozentpunkte deutlich über PDS/Linke (3,7%) und FDP respektive CDU (jeweils ca. 2 Prozentpunkte). Insgesamt also verändern sich die Stimmungen bei Rot-Grün besonders stark, während die Mitte-Rechts-Parteien vergleichsweise wenig Bewegung erleben, was wiederum ein Hinweis ist, dass deren Wähler im Mittel weniger stark von Bundes-, EU- oder Landesthemen besonders abschrecken oder mobiliseren lassen.

Schließlich ist auch interessant, wie die jeweiligen Werte der Partei bei bundesweit stattfindenden Wahlen (also eben jene zum Europaparlament oder zum Bundestag) mit denen im Rest der Republik harmonisieren. Dafür habe ich im folgenden schlichtweg die Differenz gebildet. Ein negativer Wert bedeutet, dass das Resultat in Berlin schlechter war als das im Bund.

Differenz Bundes- und Landesergebnis
Differenz zwischen Bundes- und Landesergebnis der jeweiligen Parteien

In Kombination mit den vorherigen Beobachtungen ergeben sich einige Schlussfolgerungen:

  • da die CDU in Berlin eine begrenzte und begrenzt dynamische Anhängerschaft hat, profitiert sie nicht von großen Erfolgen wie dem Unions-Kantersieg bei der EU-Wahl 2004; folglich fällt die Differenz hier größer aus und normalisiert sich, wenn die Union auch auf Bundesebene schwächelt
  • Umgekehrt gilt für die Grünen, dass der hohe Berlin-Bonus weniger gravierend ins Gewicht fällt, wenn die bundesweite Zustimmung besonders steigt
  • die Werte der übrigen Parteien (Linke, FDP, SPD) bleiben recht konstant, was andeutet, dass ihre in Berlin vorhandenen Wähler bei bundesweiten Abstimmungen relativ genau mit dem allgemeinen Trend gehen
  • schließlich: der konstant unter der Null mäandere SPD-Strich bestätigt, dass es in Berlin keine feste SPD-Fangemeinschaft gibt, auf die sich immer zählen lässt

Wer bis hierhin gekommen ist, darf sich gerne auch noch das Google-Docs-Werk mit den zugrunde liegenden Rechnungen ansehen. Als nächstes in diese Reihe folgen Betrachtungen zu verschiedenen Stadtteilen, ehe schließlich die Umfragen seziert werden.

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