Abgeordnetenhauswahlen in Berlin (1): Bisherige AGH-Wahlen

Es ist so weit: Am kommenden Sonntag findet die letzte Landtagswahl des Jahres statt, und sie dürfte nach einer interessanten Dramaturgie (dazu mehr in einer der nächsten Ausgaben der Vorberichterstattung hier) womöglich unspektakulärer enden als anfangs gedachtet. Doch ehe der Blick in die Zukunft geht, lohnt ein kurzer Ausflug der bisherigen Resultate in der Hauptstadt. Zunächst sei unspektakulär die Tabelle (inklusive einige ‘Sonstige’) und der Graph (der Übersichtlichkeit halber nur mit dem Klassiker-Quintett) präsentiert.

Im Überblick: Die Abgeordnetenhauswahlen im vereinigten Berlin
Im Überblick: Die Abgeordnetenhauswahlen im vereinigten Berlin

Einige Dinge fallen sofort auf: Die ersten drei Wahlen der vereinten Hauptstadt waren geprägt von der zweiten Ära Diepgen

  • diesem gelang es, die CDU in Höhen zu peitschen, die heute selbst für manches westdeutsche Flächenland ein gutes Ergebnis darstellen würde, selbst eine absolute Mehrheit war in einigen Umfragen 1999 in Reichweite
  • gleichzeitig dümpelte die SPD als ewiger Juniorpartner der Union auf bescheidenem Terrain, während die damalige PDS sich zunehmend in der Opposition stabilisieren konnte und die FDP nach der Wiedervereinigung in die Bedeutungslosigkeit absank – sowohl 1995 als auch 1999 blieb sie sogar sechtstärkste Kraft hinter den Republikanern

Nach dem Bankenskandal, der 2001 zum Bruch der Koalition und zu vorzeitigen Neuwahlen führte, kristallierte sich ein ganz anderes Berlin heraus:

  • die SPD als klare Nummer Eins – allerdings weit entfernt von den 40%-Regionen, die Diepgen einst geholt hatte; die AGH-Wahl 2011 ist übrigens die einzige Landtagswahl der bundesdeutschen Geschichte, in der keine Partei 30% der Stimmen erzielte
  • die FDP konnte zunächst teilweise von der CDU-Schwäche profitieren – die siebzehn Prozentpunkte Absturz 2001 sind übrigens wieder ein Beinahe-Rekord, in jüngster Zeit nur noch überboten von der CSU-Schlappe 2008 und jenseits der Gabriel‘schen SPD-Niederlage in Niedersachsen 2003
  • die PDS respektive Linkspartei profitierte zwar 2001 von optimalen Rahmenbedingungen und Gregor Gysi als Spitzenkandidat, ist insgesamt in der Regierungsbeteiligung aber nicht gut unterwegs – das 2006er-Ergebnis ist das zweitschlechteste der Geschichte, bei der legendären Bundestagswahl 2002 verlor die Partei im Verhältnis etwa jeden zweiten Wähler
  • die Grünen (für 1990 habe ich Alternative Liste und Bündnis 90 addiert) haben sich insgesamt stabil gehalten, für eine vermeintlich grünen-freundliche Stadt wie Berlin allerdings auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Sicherlich dazu beigetragen hatte, dass die Wahlen 1999 und 2001 auch unter wenig funkelndem Bundesregierungsstern standen, während einer schillernder Kandidaten wie Klaus Wowereit fehlte

Weitere, parteiübergreifende Betrachtungen zeigen ebenfalls einige Besonderheiten der Hauptstadt:

  • 1990 kamen CDU und SPD gemeinsam noch auf 70% der Stimmen, bei den letzten beiden Wahlen zusammen sind es nur noch gut 50%
  • Sonstige Parteien spielten lange in Berlin keine Rolle: Die fünf größten Parteien nahmen 1990 noch 96,5% der gesamten Stimmen ein (die Republikaner kamen auf 3,1% unter den Sonstigen), auch in den Folgewahlen verbuchten die „Übrigen“ weniger als ein Zehntel aller Kreuze. 2011 hingegen wählte jeder Siebte „sonstig“, insgesamt 13,8%. Einen Anteil trug die PDS/Linke-Konkurrenz WASG (2,9%), sowie die NPD (2,6%) und die Grauen (3,8%). Die Zeit sieht genau darin den Nährboden für die starken Piraten.

Ich werde versuchen, diese Woche möglichst viele Analysen zu bringen, auf dem Plan steht zunächst eine Vertiefung zu Wahlen in Berlin, danach die übliche Umfragenklaviatur und eine Prüfung ihrer Zuverlässigkeit in der Vergangenheit.

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