Der wirklich letzte OpenU-Zwischenstand: EMA oder Klausur – und wie geht‘s danach weiter?

Vorgestern war es soweit: Einmal mehr habe ich ein TMA in das OpenU-System hochgeladen, zum nunmehr 35ten und letzten Mal (vier Papier-TMAs für den Lateinkurs sind da jetzt nicht dabei). Das heißt: In rund sechs Wochen noch eine Prüfung, und wenn die nicht völlig daneben geht, habe ich sowohl das Astronomie-Zertifikat als auch den B.A. (Hons) in der Tasche. Nach doch überraschend langen drei Jahren.

Dazu noch ein paar Bemerkungen meinerseits, zunächst weiter zu den Astronomie-Kursen. S282 hat in der Summe eine enorme Bandbreite an Anforderungen abgedeckt, vom Lesen wissenschaftlicher Fachartikel über Beobachtungsprotokolle, Datenanalyse mit (einfacher) Statistik und Experimente bis hin zum Verfassen eigener Artikel. Das war eine wirklich gelungene und nie langweilige Mischung. Inhaltlich blieb der Kurs auf hohem Niveau, insbesondere in den Kosmologie-Kapiteln, die verschiedene Modelle zu den ersten Bruchteilen von Bruchteilen von Sekunden in der Geschichte des Universums behandelten und die Abhängigkeit verschiedener Kräfte von verschiedenen Konstanten. Dabei war ich auch immer wieder beeindruckend, wie schädelrauchend sich vergleichsweise einfache Mathematik inszenieren lässt. Wie auch bisher, so blieb der Kurs bei Wurzeln, Potenzen, Brüchen und seltener Logarithmen; zwei vorkommende Ableitungen wurden zwar textlich erklärt („die Veränderung von…“), aber letztlich einfach als Gleichung oder Variable gegeben, ohne dass der eigentliche Differenzierungsvorgang auch nur veranschaulicht, geschweige denn selber gemacht wurde. Dafür gab es ein paar Mal Erklärungsaufgaben an Graphen, die mit möglichst vielen Achsenbezeichnungen und Farben vollzukleistern eine besondere Leidenschaft der Autoren zu sein scheint. Also in der Summe ordentliches Gehirnjogging, das aber immer portionierbar bleibt.

Für die Klausur muss ich jetzt eben noch lernen und vorher einen Probe-Multiple-Choice-Test abgeben. Was uns auch gleich zum nächsten Thema führt: Klausuren.

Klausur oder EMA – eine Frage des Typs

Mein Mythologiekurs A330 war der erste, der auf die typische dreistündige Klausur am Ende verzichtete. Stattdessen gab es ein „EMA“ (end-of-course marked assignment), also beinahe eine klassische Hausarbeit, nur in überraschend geringem Umfang von lediglich 3.000 Wörtern (beim Shakespeare-Kurs war das letzte normale TMA ein 4.000-Wörter-Mammut). Bei der Day School bekam ich mit, dass wohl viele den Kurs genau deswegen genommen hatten, weil sie so um ein Examen herumkommen.

Der EMA-Modus hat definitiv Vorteile. Das geht damit los, dass die eine Frage zu Anfang des neunmonatigen Kurses bekannt war und man sich schon darüber Gedanken gemacht habe. Einige haben das auch offensichtlich schon von Anfang betrieben (und teilweise schon losgeschrieben), während ich die Entscheidung hinausgezögert selbst hinausgezögert hatte, bis ich der Meinung war, ein gutes Thema (die Kreatur des Phoenix) zu haben. Die Day School hat hier übrigens gehofen – weniger wegen der allgemeinen Tipps zum Stoffsammeln und so, sondern weil die Tutoren ihre Erwartungshaltung noch einmal präzisiert hatten.

Auch wenn das eigentliche Versandprozess dann doch wieder recht hektisch war – wer ist noch nie gerannt, um eine Hausarbeit rechtzeitig einzutüten –, so ist das Resultat mehr als begeisternd – ich habe tatsächlich eine „Distinction“ für den Level-3-Kurs erhalten (kurzer Tusch). Das heißt aber nicht, dass ich grundsätzlich jedem zu einem EMA-Kurs raten würde. Etliche Studierende sind signifikant schlechter gewesen als in ihren Essays und es gibt auch einige, die durchgefallen sind. Ob eine Klausur nicht doch besser ist, hängt ziemlich von den individuellen Stärken ab:

  • Offensichtlicher Punkt: Bin ich ein Prüfungstyp? Ich selbst bin in Prüfungen glaube ich ziemlich genau repräsentativ für mein eigentliches Wissen und meine eigene Leistungsfähigkeit, allerdings mitunter mit leichter Geistesblitzverspätung. (Typischer Fall: Die Lösung für ein schwieriges Problem fällt einem dann am nächsten Tag auf dem Weg zum Bäcker ein. Dumm gelaufen.) Die zeitliche ambitionierten Klausuren sind nichts für Leute, die in Ruhe ein Problem nachvollziehen und sich stückweise erschließen und zum Beispiel einfach mal verschiedene Ansätze für eine Gleichung durchprobieren wollen. Die Aufgaben setzen voraus, dass man beim Lesen bereits ziemlich genau weiß, was genau jetzt wohin kommt und das eigentlich nur noch aus der inneren Zwischenablage schubst und gegebenenfalls walkt. Keineswegs pure Wissensreproduktion, aber im Anforderungsbereich eben doch eher auf das schnelle Anwenden von Bekanntem ausgerichtet.
  • Ein EMA hingegen ist natürlich dann ideal, wenn man gerne längere (aber dennoch präzise, die Wortvorgabe war angesichts der Aufgabenstellung sehr knapp) Texte schreibt und generell ein ausfallsicheres Händchen hat. Die Standardabweichung meiner 31 Text-TMAs lag bei unter neun Zählern (von Hundert), in diesem Kurs sogar bei unter fünf, also schien mir das in diesem Fall sicher.
  • Gerade im geisteswissenschaftlichen Bereich sind die Ergebnisse der Prüfungen für mich leicht unberechenbar. Bei S283 hatte ich eine Formel in einer Frage falsch – klar, dass die darauf folgenden Erklärungen nicht in Wurfweite der Maximalpunktzahl landen. Bei den anderen Kursen hingegen war ich teilweise in Abschnitten besonders gut (oder gerade nicht), von denen ich das Gefühl hatte, dass sie mir weder in der Prüfung noch in den TMAs besonders lagen.
  • Schließlich verlangen die Klausuren immer wirklich breites Wissen. Es gibt zwar die Möglichkeit, je nach Klausur nur eine oder zwei von drei vorgeschlagenen Fragestellungen zu bearbeiten, doch auch diese Wahlmöglichkeit kann selbst mittelgroße Lernlücken nicht kaschieren. Ein Poker-Lernen auf „Das kommt bestimmt nicht dran“ halte ich nicht für empfehlenswert, was den zeitlichen Aufwand für die Prüfungsvorbereitung doch ordentlich in die Höhe schraubt.

Das sind die Punkte, die mir zunächst einfallen. Wie immer gehe ich gerne auf Kommentare oder Fragen hier, bei Facebook, Twitter oder Google+ ein.

Wie weiter?

Das ist eine Frage, mit der ich mich kürzlich öfter auseinandergesetzt habe. Für mich steht fest, dass ich definitiv einen Master anhängen möchte und dabei auch gerne den Pfad der Geisteswissenschaften verlassen möchte, trotz der ermunternden OpenU-Ergebnisse des Mythologie-Kurses (der M.A. Classic Studies ist leider mit dem griechischen Schwerpunkt für mich nicht das Richtige). Die Kollegen der Wilhelm-Büchner-Hochschule haben meinen Wunsch schon abschlägig bescheinigt – aber vielleicht gibt es ja bald von anderer Stelle positive Neuigkeiten…

3 thoughts on “Der wirklich letzte OpenU-Zwischenstand: EMA oder Klausur – und wie geht‘s danach weiter?

  1. Die WBH bietet ja v.a. technische Studiengänge an. Ist das die Richtung, die du angepeilt hast? Falls es an deutschen Hochschulen nicht möglich sein sollte (aus welchem Grunde auch immer), hast du dir schon mal das Angebot der University of London angeschaut?

    1. Danke für den Tipp. Tatsächlich tun sich deutsche Hochschulen schwer damit, postgraduell technische Studiengänge für Bachelor-Absolventen mit geisteswissenschaftlichem Hintergrund freizugeben, daher bin ich am Suchen. (Vorschläge wie ‘Noch einmal zwei Semester für die Zugangsvoraussetzungen’ zeigen zu wenig Respekt meiner Lebenszeit gegenüber.) Werde mal in London vorbeischauen!

  2. (Vorschläge wie ‘Noch einmal zwei Semester für die Zugangsvoraussetzungen’ zeigen zu wenig Respekt meiner Lebenszeit gegenüber.)

    Oh ja, da kann ich gut mitfühlen.

    Ich sehe in Deutschland auch das Problem, dass man – anders als in den USA oder UK – es sich einfach nicht vorstellen kann, Menschen mit geisteswissenschaftlichem Hintergrund in technischen Berufen zu sehen. Es übersteigt wohl den durchschnittlichen deutschen Vorstellungshorizont, dass Menschen verschiedene Facetten und Interessen zeigen können, die man auch beruflich einsetzen kann. Tja, in Deutschland scheint man sich mit der Wahl des Studienfachs ein- für allemal festzulegen …

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