Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz 2011: Ausgangssituation und Umfragen

Rheinland-Pfalz hat einige Besonderheiten aufzuweisen, was seine politische Konstellation angeht. So war es selbst in der Zeit des sozialdemokratischen Trübsaals SPD-regiert, seit 2006 in absoluter Mehrheit und davor, ein damaliges Unikum, in einer sozialliberalen Koalition und profitiert enorm von der Popularität des Kurt Beck. Die Grünen haben es im sehr ländlich und dabei wenig studentisch geprägten Raum recht schwer, lagen in allen vergangenen Wahlen hinter der FDP und seit 2006 gar nicht mehr im Landtag vertreten. Auch eine Konstellation der PDS/Linken/WASG hat es in der Vergangenheit nie zu nennenswerter Zustimmung gebracht. SPD und CDU vereinen zusammen immer rund vier Fünftel der Stimmen, Grüne und FDP kamen gerade einmal an 15 Prozent heran.

Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz seit 1987.

Mit dieser Gelassenheit, so scheint es, ist es ab Sonntag vorbei. Zunächst einmal die letzten Umfragen in der Übersicht, tabellarisch [nein, Google Spreadsheet weigert sich] wie visuell (und ja, ich werde bei Gelegenheit die Diagramme mal anders bauen):

X-Y-Diagramm zu Umfragen, Tage zur Wahl auf X-Achse, wobei das Veröffentlichungsdatum gilt.

Wirklich spektakuläre Bewegungen gibt es dabei kaum, dementsprechend nüchterne Schlussfolgerungen:

  • Spitzenkandidatin Julia Klöckner wird nicht die CDU-Niederlagen der beiden letzten Wahlen wiederholen, wird sich aber wohl mit einem zweiten Platz auf die Oppositionsbank setzen müssen.
  • Die Grünen werden wohl klar drittstärkste Kraft sein, womöglich stärker als in diesen Umfragen sichtbar. (In Rheinland-Pfalz befinden sich übrigens die Kernkraftwerke ) (Nein, nach einer Überprüfung des Platzhaltersatzes: Es gibt keine AKW in Rheinland-Pfalz.)
  • Die Linke kann sich eines Einzugs nicht sicher sein, wird allerdings in den alten Bundesländern auch nicht eben zuverlässig geschätzt (dazu demnächst mehr). Unabhängig von ihrem Ergebnis scheint eine rot-grüne Regierung greifbar, lediglich einzige Umfrage sagt einen Zweistimmen-Patt voraus (Erstimmen-Überhangmandate werden ausgeglichen). Eine Wiederaufnahme der sozialliberalen Koalition hingegen scheint quasi ausgeschlossen, dazu ist die FDP einfach zu schwach.

Doch wie zuverlässig sind die Umfragen zwischen Mainz und Kaiserslautern überhaupt? 2006 hatten alle Institute – die Forschungsgruppe Wahlen (=FGW), Emnid, Infratest, Forsa und Psephos – die Union zwischen 34 und 38 Prozent gesehen (im arithmetischen Mittel der jeweils letzten Erhebung: 35,6%) und damit überschätzt, die SPD mit 39 bis 43 Prozent (Mittelwert 42%) dagegen unterbewertet. Jede Umfrage des gesamten Jahres sah die Grünen im Parlament, die FDP wurde lediglich von der Forschungsgruppe Wahlen genähert. 2001 ist das Bild weniger klar, tendiert im Mittelwert in die gleiche Richtung (SPD unterschätzt, Union, Grüne und FDP zu stark).

Ich gehe davon aus, dass einige Anpassungen an den Berechnungen seit 2006 vorgenommen wurden – anderenfalls könnte der Sonntag für die Liberalen die Fortsetzung des Schicksals in Sachsen-Anhalt bedeuten.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *