Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt 2011 (2): Die Umfragen – und die demoskopische Schwierigkeit NPD

Anmerkung: Da einige Suchen jetzt hier landen: Fürs Endergebnis und eine Diskussion desgleichen hatte ich noch keine Zeit – derweil sei auf den Landeswahlleiter Sachsen-Anhalt verwiesen.

Kurze Ansage vorher: Angesichts der Fülle von Landtagswahlen – hier hatte Hamburg zeitlich schlichtweg eine Luxusposition – ist es mir nicht möglich, die komplette Tour inklusive Bundesvergleich für alle anstehenden Wahlen durchzuführen. Das Pflichtprogramm – Umfragenlage und Geschichte – gibt es aber in jedem Fall. So, weiterlesen!

Zunächst einmal wie immer eine Tabelle, cloud-mäßig von den Google-Servern hiergeholt:

Und anschließend noch einmal die Visualisierung, mangels vernünftiger Diagrammfunktionen in Google Spreadsheet der heimischen Tabellenkalkulation entnommen. Ergebnisse wie immer auf Basis des großartigen Wahlrecht.de.

Die Umfragen in Sachsen-Anhalt geplottet. Bitte beachten, dass sich der zeitliche Abstand auf das Veröffentlichungsdatum bezieht.

Die Umfragen in Sachsen-Anhalt sind nicht reichlich, die jüngste Veröffentlichung der letzten neun, der letzte Befragungstag zehn Tage her. Dementsprechend sind zum Beispiel Auswirkungen der auf die Katastrophe in Japan gefolgten Atomenergie-Debatte hierzulande überhaupt nicht zu bewerten. (Es kann auch sein, dass diese gerade in Sachsen-Anhalt besonders gering sind, denn da steht weit und breit kein Kernkraftwerk – aber selbst wenn es keine Auswirkungen auf die Stimmungen hat: Wir haben es nicht gemessen. [Der Vollständigkeit halber: Regenerative Energien in Sachsen-Anhalt sind durchaus wichtig.] )

Möglich ist folglich, dass sich der Umfragentrend einer leicht überbewerteten Union fortsetzt. Dass die Auswirkungen tatsächlich das gesamte Gefüge kräftig durcheinanderwirbeln, halte ich für unwahrscheinlich – die jüngsten bundespolitischen Messungen waren diesbezüglich auch nicht eindeutig, mal gewannen die Grünen ein wenig auf Kosten von Union und FDP, mal primär von den Linken.

Besondere Aufmerksamkeit könnte die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bekommen, wenn es der NPD gelingt, in den Magdeburger Landtag und damit in ihr drittes Landesparlament einzuziehen. In Thüringen fehlten der NPD 2009 rund 7400 Stimmen zum Einzug.

Die bisherigen Prognosen sehen die NPD nahe oder bei fünf Prozentpunkten – Rechtsextreme Parteien sind allerdings traditionell eine Schwierigkeit für Demoskopen. Warum? Weil sich viel weniger ihrer Wähler etwa in den telefonischen Umfragen zu erkennen geben. Das führte zum Beispiel bei der Landtagswahl 1998 dazu, dass die DVU durchgängig als maximal halb so stark eingeschätzt wurde, wie sie am Wahltag wurde.

Dementsprechend müssen die Umfrageinstitute die geringeren angegeben rechtsextremen Wahlabsichten hochrechnen. Dazu werden demographische Faktoren herangezogen, von denen man weiß, dass sie mit der Wahl einer rechtsextremen Partei einzeln oder gemeinsam signifikant korrelieren: Wohnlage, Haushaltseinkommen, Alter, Bildung, wirtschaftliche Situation. (Geben Menschen in wirtschaftlich schlechter Lage an, Parteien des jeweiligen Regierungslagers zu wählen, kann das den Faktor Glaubwürdigkeit zusätzlich beeinflussen.) Mit diesen Daten wird dann auf Basis bekannter Präferenzen eine Korrektur der Rohdaten vorgenommen. Nach dem Demoskopie-Debakel 1998 scheint dies den Instituten in den letzten Jahren besser gelungen, wie die jüngsten Untersuchungen zeigen:

  • Lassen wir eine wenig aussagekräftige Analyse der TU Illmenau (<400 Befragte, kein etabliertes Institut) außen vor, so schätzten die letzten acht Umfragen vor der Landtagswahl in Thüringen auf mindestens drei Prozent. Eine einzige Infratest-Umfrage taxierte die Partei bei vier Prozent. Insgesamt kein Totalausfall, aber dennoch eine durchgängige Unterschätzung.
  • 2009 zog die NPD erneut in den Sächsischen Landtag ein, mit 5,6%. Alle elf Umfragen des Wahljahres sahen sie zumindest bei vier Zählern, acht davon im Landtag, sogar eine einmalige leichte Überschätzung trat auf.  Das ist insgesamt eine solide Approximation.
  • In Mecklenburg-Vorpommern gelang der NPD mit 7,3% vor beinahe fünf Jahren der Einzug ins zweite ostdeutsche Landesparlament. Die Umfragenlage ändert sich hier übers Jahr betrachtet zwar, aber alle im Wahlmonat veröffentlichten Umfragen gehen von einem deutlichen Einzug (6-7%) aus.

Diese Stichprobe zeigt, dass die Institute wesentlich zielsicherer geworden sind, was die NPD betrifft. Ausfälle gibt es natürlich immer noch, diese bewegen sich allerdings im Rahmen der üblichen Ungenauigkeiten. Folglich spricht einiges dafür, dass es der NPD durchaus gelingen kann, auch im Magdeburger Landtag Stühle zu besetzen. Und die möglicherweise sehr niedrige Wahlbeteiligung hilft ihr dabei.

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