Volksentscheid “Unser Wasser” – Korrelationen mit Siedlungsstruktur und Parteipräferenzen?

Im Nachtrag zu meinem gestrigen Beitrag zu den Volksentscheiden und der Beteiligung in den Berliner Bezirken wollte ich, gemäß meines dortigen untersuchen, ob sich denn eventuell Zusammenhänge etwa zu Parteipräferenzen oder zur Siedlungsstruktur festmachen lassen. Der Tagesspiegel etwa stellt die Thesen auf, dass

  • SPD-Hochburgen
  • die mit mehr Häuslebauern bevölkerten Stadtrandbezirke
  • Ältere (Update: Siehe dazu diesen Beitrag)

für die ausreichende Wahlbeteiligung gesorgt haben. (Eine Opposition zu dem Thema gab es ja nicht, dementsprechend ist eine Analyse der Beteiligung hinreichend.)

Einfluss der Siedlungsstruktur

Die ganz granulare Aufteilung der ersten Tagesspiegel-Grafik ist schon bemerkenswert (zeigt aber dann doch immer wieder erstaunliche “Ausfälle”). Der dahinterliegende Gedankengang: Da Hausbesitzer ihre Wasserrechnungen direkt beim Versorger begleichen und nicht wie die Mieter in der Innenstadt nur mittelbar über die Betriebskostenabrechnung, haben sie ein größeres Interesse am Thema, wenngleich der tatsächliche Wasserverbrauch durchaus vergleichbar ist. Ich habe, um diese These zu validieren, einmal mithilfe des Statistischen Jahrbuchs Berlin (PDF beim Statistischen Landesamt Berlin-Brandenburg) die Bevölkerungsdichte der Bezirke gegen die Wahlbeteiligungen geplottet.

Der Volksentscheid Unser Wasser und die Bevölkerungsdichte der Berliner Bezirke – auf der X-Achse ist die Dichte abgetragen, auf der Y-Achse die Abstimmungsbeteiligung
Unterschied der beiden Punktewolken: Die Siedlungsfläche schließt reine Park- und öffentliche-Gebäude-Flächen aus, was sich in der Innenstadt zum Beispiel in Friedrichshain-Kreuzberg relativ stark bemerkbar macht, in den dünn besiedelten Bezirken aber teilweise noch mehr. Somit wird die Regressionsgerade insgesamt nach links verschoben, wie man es schöner im Mathematikunterricht nicht sehen konnte.

Bei beiden Datenmengen fällt eine vorhandene, aber nicht eben überwältigende Tendenz auf, wobei Ausreißer wie das zwar dicht besiedelte, aber sehr gar nicht so wahlabstinente Friedrichshain-Kreuzberg sprichwörtlich von der Linie springen. Wer die Zahlen haben möchte: Die Korrelationskoeffizienten sind -0,43 für die Bevölkerungsdichte der Gesamt- und -0,39 für die Siedlungsfläche. (Das negative Vorzeichen besagt, dass ein dichter besiedelter Bezirk eine niedrigere Ausprägung der Variable Abstimmungsbeteiligung haben wird.

Parteipräferenzen

Um zu untersuchen, inwieweit besonderes Wählerengagement mit der Präferenz für eine bestimmte Partei übereinkam, habe ich auch wieder die entsprechenden Werte verglichen. Hierbei diente mir nicht nur das Ergebnis der letzten Bundestagswahl, sondern der Mittelwert aus dieser und der Abgeordnetenhauswahl in Berlin 2006 als Basis, jeweils auf Bezirksebene. Auf diese Weise möchte ich sowohl den Einfluss des einzigen Moments verkleinern als auch eine Mischung aus bundes- und landespolitischer Attitüde inkl. etwaiger persönlicher Abneigungen erfassen. Wenn ich diese entsprechenden X- und Y-Werte plotten lasse, ist das Ergebnis eher anarchistisch:
Zusammenhang zwischen der Abstimmungsbeteiligung für Unser Wasser und den Wahlergebnissen einzelner Parteien - dabei ist der Mittelwert der letzten Abgeordnetehaus- und Bundestagswahl des jeweiligen Bezirks auf der X-Achse, die Abstimmungsbeteiligung auf der Y-Achse eingezeichnet.

Die linearen Regressionen habe ich einzeichnen lassen, aber es wird schnell ersichtlich, dass die Abweichungen doch erheblich sind. Die entsprechenden Korrelationskoeffizienten sind -0,21 (SPD), 0,22 (CDU), -0,11 (Linke), -0,06 (Grüne) und 0,20 (FDP). Keiner der Werte ist allerdings hoch genug, um seriös ohne weitere Untersuchung ernsthaft Zusammenhänge zu erkennen.

Kurzes Fazit: So ganz in dieser Einfachheit bestätigen ließen sich die Thesen des Tagesspiegels nicht. (Die Altersstruktur liegt im Statistischen Jahrbuch in einer komplexeren Form vor, die noch einmal einige Zwischenschritte erfordern würde [Update: Jetzt hier zu lesen: Bedeutung des Alters bei “Unser Wasser”].)

PS: Richtig, der Google-Docs-Ausflug legt zumindest Pause ein (auch wenn X-Y-Diagramme eigentlich ins Repertoire der Anwendung gehören und die einzelnen Datenpunkte schön AJAX-klickbar gemacht hätten, allein das Einfügen der Daten hätte mir schon wieder einiges verdorben).

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