Dass sich die Balkendiagramme biegen

Screenshot des Artikels (Stand: 8. Mai, 21 Uhr)

Kurzes Intermezzo hier; eigentlich sitze ich ja gerade an der Quasi-Prognose für die NRW-Wahl morgen [Update: fertig!], aber das ist zu gut. Der Reihe nach: Die FDP (deren Mitglied ich einst war) hat auf Ihrer Webseite erklärt, dass die Steuerschätzung Spielraum für Steuersenkungen lasse. Eine im Vergleich unkonventionelle Perspektive.

Begleitet wird das Ganze von einer praktischen Infografik, der den Anstieg der Steuereinnahmen von 2005 (warum eigentlich ausgerchnet 2005? Ob das was damit zu tun hat, dass die Zahlen 2006-2008 im Vergleich wesentlich weniger spektakulär niedrig wären?) zu 2013 zeigt.

Das Amüsante an der Infografik rechts: Sie ist, nun ja, gespringert:

  • Der linke Balken, der die Steuereinnahmen von 2005 repräsentiert, ist 266 Pixel hoch. Bei 452 Mrd. Euro, die damit abgebildet werden, entspricht das 1,7 Mrd. Euro pro Bildpunkt.
  • Der rechte Balken, die Steuereinnahmenn 2009, 424 Bildpunkte hoch, steht für 561,3 Mrd. Währungseinheiten. Dabei entspricht ein Pixel also nur noch 1,3 Mrd. Euro.

Durch die veränderte Skalierung ist die Säule rechts nicht rund 25, sondern ca. 60 Prozent größer als die Linke, die Steuereinnahmen werden also bewusst erheblich größer dargestellt, als sie es bei dem (ohnehin sehr selektiven) Beispiel sind.

Ich bin mir angesichts des ebenfalls verrutschen Textfeldes nicht sicher, ob ich primär Inkompetenz oder Böswilligkeit unterstellen möchte. Aber dass ein Fehler halt zufällig genau Steuereinnahmen visuell noch größer erscheinen lässt, lässt auch bei Schelmen üble Gedanken aufkommen. Richtig sähe die Infografik übrigens so aus:

So sähe das Diagramm aus, wenn man die Balken nicht nach Wunschdenken, sondern arithmetisch ermittelt.

Und ganz korrekt wäre:

Gesamtüberblick der Steuereinnahmen bzw. -schätzungen von 2005 bis 2014.

Und richtig, es fällt auf, dass 2005 als niedrigstes ja eine ideale Ausgangsbasis für ein Diagramm ist, dass den überbordenden Staat zeigen möchte. 2014 ist natürlich doof, weil nach der nächsten Bundestagswahl 😉 .

PS: Die FDP spricht im Artikel für 2013 von einem Rekordniveau. Das ist bemerkenswert, weil:

  • der 2008er-Wert, nämlich 561,2 Mrd. Euro, wirklich nur minimal drunter liegt (gerade wenn man von einer Schätzung ausgeht)
  • der Schuldendienst in dieser Betrachtung natürlich völlig außen vor bleibt…
  • … und 2014 ebenso.

PPS: Ja, die sind Säulendiagramme. Ich weiß.

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