Ein Dreiviertel Jahr Rumgebahne – eine Bilanz

Seit dem 15. März fahre ich werktäglich die Strecke Berlin – Hamburg. 280 Kilometer hin, 280 Kilometer zurück. Zehn Fahrten wöchentlich, rund vierzig im Monat, also mittlerweile über dreihundert.

Ich habe dabei keine akribische Statistik über Verspätungen und Ausfälle geführt. Wer aber meinen Twitter-Account verfolgt, bekommt ab und an mit, wie ein spontaner Ersatzzug meine Stimmung nicht weniger spontan ändert.

Aus dem Gedächtnis bauchgefühlt, war die Bilanz in der Summe wie folgt:

  • Echte Zugausfälle ohne Ersatz: Habe ich nur ein einziges Mal erlebt. Das ist eine ziemlich gute Sache. Ein anderes Mal hat die Bahn durch eine gezielte Verwirrungstaktik aus dicht fahrenden sollenden ICE und IC vermutlich einen Ausfall kaschiert, doch auch ein weiterer „halber“ Ausfall lässt sich vertreten.
  • Zugausfälle mit Ersatz: Die gibt es hingegen durchaus häufig. (Online werden sie bekanntermaßen nicht von den echten Zugausfällen unterschieden, was die Heimfahrtplanung unnötig erschwert.) „Durch einen Fehler am Triebfahrzeug“ muss aus dem Technikmuseum schnell ein IC entwendet und auf die Schienen gepackt werden. Mitunter gibt es im Ersatzzug keine Erste Klasse, keine Großraumwagen, kein BordRestaurant – man kommt an, wenn auch mit signifikant verringertem Wohlfühlfaktor. Das passiert zwar nicht häufig, aber gehäuft. Heißt: Wenn ich Dienstag Abend einen solchen Zug vorgesetzt bekomme, war das vermutlich nicht der letzte. Diese Woche trat es dreimal auf, in genau dieser Konzentration auch schon vorher drei, vier Mal seit Ende der Bauarbeiten auf der Strecke. (Vorher fuhr teilweise planmäßig ein IC.)
  • Verspätungen über einer Stunde: Exakt eine bisher.
  • Verspätungen von deutlich über zehn Minuten, aber unter einer Stunde: Kommen vor, wenn auch selten, im Mittel einmal alle zwei Wochen.
  • Verspätungen über Messfehlergrenze, aber unter zehn Minuten: Sehr häufig. Ich wage gar die Behauptung: Die Bahn zählt Verspätungen erst ab fünf Minuten (und nicht wie in Japan ab zwei), weil sie genau weiß, dass hier mit geringem Aufwand ein statistisch großartiger Effekt erzielbar ist. Nach meiner Schätzung ist wenigstens jeder dritte Zug in dieser Kategorie. Undramatisch, aber der Vollständigkeit halber aufgeführt.

In der Summe ergibt sich also folgendes Bild:

  • Ausfälle ohne Ersatz: ca. 0,5%
  • Ausfälle mit Ersatz: ca. 5 %
  • Verspätungen über 1 Stunde: < 0,5%
  • Verspätungen zwischen 10 und 60 Minuten: knapp 10%
  • Verspätungen von ungefähr fünf Minuten: ca. 35%
  • Pünktlichkeit bis maximal zwei Minuten Toleranz: ca 50%.

Das ist gar nicht mal so übel, ich wage gar die Behauptung, dass die Verspätungsraten meines sozialen Umfeldes schlechter sind.

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