Althaus weg – Wahlsieg weg?

Ich habe schon in einem vorherigen Beitrag ausgeführt, dass ich die allgemeine Relevanz von Landtagswahlen für medial überbewertet halte und dass ich das auch bei den letztsonntäglichen Ergebnissen so sehe, weil ich allgemein eine leichte Unionsüberbewertung in bundesweiten Umfragen unterstelle.

Daran ändert der – im Gegensatz zum Abgang des sächsischen SPD-Chefs auch beachtete – Rückzug von Dieter Althaus nichts. Weder an der Tatsache, dass seine Abwahl landespolitisch respektive persönlich bedingt ist (Skiunfall, Bild-Gekuschel und so), noch an der zu erwarteten Ausdeutung in Print- und Online-Publikationen.

Der Gelotste geht von Bord

Merkels wichtigster Mann“, analysiert der Spiegel, geht jetzt. Das mag dahingehend stimmen, dass der Thüringer Ministerpräsident im Gegensatz zu Koch, Rüttgers und Wulff nicht an ihrem Stuhl sägen will (und dass ihm höhere Politik-Weihen ohnehin verwehrt bleiben, selbst ohne die fahrlässige Tötung und die Wahlniederlage). Aber spielt es eine Rolle für den Wahlkampf, möglicherweise auch das Ergebnis?

Direkt in Thüringen: Kaum. Die CDU schneidet dort bei Bundestagswahlen eh immer signifikant schlechter ab, der selbst am letzten Sonntag eventuell noch schwach vorhanden gewesene Althaus-Bonus entfällt bei bundesweiten Abstimmungen grundsätzlich. Wie wahrscheinlich ist es, dass Althaus-Wähler genau jetzt der CDU ihre Stimme am 27. September verweigern? Eben Und wie ist es umgekehrt um die Möglichkeit bestellt, dass ausgerechnet wegen Althaus ferngebliebene Wähler nun doch das Kreuz bei der CDU machen? Aus meiner Sicht auch Einzelfälle.

Bundesweit überwiegt derzeit der Gegenwind für das Mitte-Rechts-Bündnis, Althaus hat dem mit seinem Rücktritt weiter Stoff geliefert. Ist das gut oder schlecht? Mobilisiert es die Anhänger von Union und FDP?

Und ist die jetzt wahrscheinlichere große Koalition in Thüringen nicht unter Umständen sogar ein Problem für die CDU? Zwar bleibt eine Regierungsbeteiligung erhalten, jedoch gibt es eine Chance weniger, das Schreckgespenst Mitte-Links-Bündnis spuken zu lassen, zumal die Grünen im Saarland sich mit ihrer Königsmacherei Zeit lassen. Tendenziell könnten so sogar noch mehr Wähler zur FDP wandern, um eine große Koalition nicht zu unterstützen.

Wie immer gilt: Nichts genaues weiß man nicht – aber ich gehe davon aus, dass der verkürzte SPD-CDU/CSU-Abstand in der ersten Nach-Landtagswahlumfrage bei Emnid (Befragungszeiträume der anderen Umfragen überwiegend davor) weiter schrumpfen wird, wenn auch langsam.

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