Zurück zu den Graswurzeln: Restaurantkritik #1

Ganz ursprünglich, wir reden hier von 2005 und 2006, hatte ich einmal ein Blog, dass sich ausschließlich dem Frühstücken widmete. Hieß: Ich lief irgendwohin machte, mir Notizen, und erstellte hinterher so eine Art Testbericht inklusive toller Wertung, die sich als Durchschnitt aus den Einzelwertungen für Atmosphäre, Bedienung und Speisequalität errechnete. Natürlich, wie für einen Spielezeitschriftsjunkie, auf der 100er-Skala (siehe den damaligen Beitrag zum Wertungskasten).

Enjoying the Moment im Café Solvey. Bild: Elisabetta Lombardo
"Enjoying the Moment" im Café Solvey. Bild: Elisabetta Lombardo

Noch mehr phantastische Polaroid-Café-Bilder gibt’s übrigens nebenan bei meiner besseren Hälfte. Die entsprechenden Posts des mittlerweile stillgelegten Blogs liegen noch irgendwo als SQL-Dump, aber die Idee, mal wieder über die wichtigste, schönste und müßiggängigste, zeitungsgeeignetste und verschlemmteste Mahlzeit des Tages zu schreiben, ist immer noch da. Ja, ich könnte auch einfach rumqypen, aber mir ist der persönliche Bezug hierbei wichtiger als die Weisheit der Massen.

Kuuuuuchen!

Und damit zur ersten Frühstücksrestaurantkritik auf diesem Blog. Der Kandidat heißt: Café Solvey, zu finden in der Invalidenstraße 110 (bei Google Maps zeigen) und damit für Mitte-Jünger ideal zu erlaufen (aber auch sonst via Tram 12, M10, M8, Bus 245, 247 und Nord-Süd-S-Bahn gut angebunden). Was den Laden trotz gratis WLAN von den üblichen Latte-Macchiato-Tempeln unterscheidet, ist die nostalgische Einrichtung. Das Geschirr entstammt der persönlichen Sammlung der Besitzerin, sodass weder eckiges Designer-Zeugs noch IKEA-genormter Kram zum Einsatz kommt.

Die Speisen und Getränke im Laden sind akzeptabel bis sehr gut. Mit dem Milchkaffee freundete ich mich sehr schnell an, die Obstauswahl überzeugte, Brötchen und Croissants ebenfalls lecker, selbstgemachte Marmelade gut, Käseauswahl gut, wenn auch nicht überragend. Viel wichtiger aber: Das Erlebnis in diesem Café begeistert, es ist so ein Ort, wo man sich einfach reinsetzen möchte wie in eine Badewanne.

Der noch größere USP des Ladens sind die Kuchen, live selbstgebacken aus teils selbst agrarökonomisch erzeugten Zutaten. Das war zwar zum heutigen Frühstück nur begrenzt geeignet, aber die perfekte Ergänzung für eine Kaffeezeit daheim am Sonntag.

Zeituuuuung!

Leckeren selbstgebackenen Kuchen, Kaffee und Zeitungen - hier bin ich Mensch...
Leckeren selbstgebackenen Kuchen, Kaffee und Zeitungen - hier bin ich Mensch...

Falls es jemandem aufgefallen ist: Teil der üblichen Sonntagszeitungstruppe auf unserem Tisch ist diesmal auch die New York Times, die ich am Samstag Abend für nicht weniger als sechs Euro per print on demand geholt hatte. Ich bezweifle, dass sich das System breit durchsetzt – wie so oft kommt da eine vernünftige Idee zu spät und zu schlecht umgesetzt (keine Suchfunktion nach Titeln, lange Verzögerung, lange Druckzeit, kein echtes Zeitungsgefühl durch Klammerung).

Für das Café Solvey gehen indes alle Daumen nach oben, die ich habe.

3 thoughts on “Zurück zu den Graswurzeln: Restaurantkritik #1

  1. Neulich hat mir die Inhaberin einen Cappuccino geschenkt, während ich auf der anderen Straßenseite auf die Tram wartete, mit der Behauptung, ich sei ihr “Lieblingsanschauungsobjekt”. Angeblich spiele ich ständig Luftgitarre. Seitdem wollte ich da mal rein, ist aber leider bis zum 28. zu. Wir können ja mal gemeinsam dort frühstücken 🙂

  2. Ach, wie wohltuend! Ich liege krank im Bett, muss mein kleines Cafe leider bis Dienstag schließen (ALLE sind krank) und da entdecke ich zufällig diesen schönen Kommentar zu meinem Cafe! Es freut mich, dass es Dir bei uns gefallen hat. Komm mal vorbei und oute Dich. Ab nächster Woche wird der Kamin wieder “angeschmissen”. Liebe Grüße von der Erkältungsfront!
    Solvey

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